Stromausfall in den USA - 50 Millionen
Menschen ohne Strom. 15.8.03
Falsche Energiepolitik?
Die Energiekrise war hausgemacht. Schuld an dem Blackout war eine bizarre
Deregulierungsverordnung, die die Konzerne zwang, eigene Kraftwerke zu verkaufen
und Strom auf dem freien Markt zu erwerben.
Pleitegeier über den Stromversorgern
Die fehlgeschlagene Radikal-Liberalisierung des Strommarkts hatte zwei der größten
Stromversorger an den Rand des Konkurses gebracht. Weil die beiden Stromriesen
Southern California Edison und Pacific Gas and Electric bei ihren Lieferanten
einen Schuldenberg von zwölf Milliarden Dollar angehäuft hatten, erhielten sie
von diesen nun keinen Strom mehr.
Explosionsartige Preiserhöhung
Die Konzerne hatten ihre Kraftwerke verkauft oder stillgelegt und sich ganz auf
Zulieferer konzentriert. Mit diesen durften sie jedoch laut Gesetz keine
langfristigen Lieferverträge abschließen noch die staatlich festgelegten
Kundenstromtarife erhöhen. Leider stieg jedoch ihre Ausgabenseite: Strom
kostete pro Kilowattstunde im Dezember 2000 plötzlich nicht mehr drei Cent,
sondern 1,4 Dollar - eine fatale Situation: Um die Defizite zu begrenzen,
schalteten die Lieferanten den Saft einfach ab, und die Kalifornier saßen im
Dunkeln.
Kraftwerke über 30 Jahre alt
Hinzu kam der äußerst kalte Winter sowie die Regenknappheit - nun konnten auch
die Wasserkraftwerke nicht mehr genügend Energie produzieren. Andere Quellen
halfen da leider nicht weiter: 60 Prozent der regionalen Stromkraftwerke in
Kalifornien waren mehr als 30 Jahre alt und liefen äußerst instabil.
Beinharter Preiskrieg
Seit die Stromversorgung in den späten 90er Jahren dereguliert wurde, sind die
privaten Stromfirmen radikal auf Gewinmaximierung getrimmt worden. Um
Marktanteile zu gewinnen, wurde vielerorts ein beinharter Preiskrieg entfacht.
Dies wiederum verhinderte, dass die Netzbetreiber in ihr eigene Kabelnetz
investierten, es erneuerten oder überschüssige Kapazitäten vorhielten. Solche
Kosten konnte und wollte sich plötzlich niemand mehr leisten. Hinzu kam, dass
einer der größten Wirtschaftsskandale in der US-Geschichte ausgerechnet von
den Chefs des Energieunternehmens Enron verursacht wurde. Neben der weltweiten
Empörung sorgten Kenneth Lay und seine Bilanzmanipulierer dafür, dass erst
einmal alle Investitionspläne für neue Kraftwerke in den Schubladen
verschwanden.
Weitere Blackouts drohen
Nach Ansicht von Irwin Stelzer, Ökonom am Houdson Institut, werden in Zukunft
weitere Blackouts das Land lahm legen: "Wenn die Wirtschaft in den nächsten
Jahren mit 3,5 Prozent wächst, wäre ich nicht überrascht über weitere
Unterbrechungen, die für die meisten Amerikaner nicht mehr akzeptabel
sind"
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