30 Staatssekretäre
Opposition wirft Regierung Verschwendung vor
Die Ernennung von 30 Parlamentarischen Staatssekretären durch die neue
Bundesregierung hat scharfe Kritik in der Opposition ausgelöst. Unterstützt
vom Bund der Steuerzahler verurteilten FDP und Grüne diese Pläne als Aufblähung
des Staatsapparates.
Berlin - In der "Bild"-Zeitung forderten der FDP-Vorsitzende Guido
Westerwelle, Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn und Steuerzahler-Präsident Karl
Heinz Däke Einsparungen bei der Regierung statt zusätzlicher Personalausgaben
für die Staatssekretäre. "Diese Große Koalition ist bislang nur groß
beim Postenverteilen und Steuernerhöhen", sagte Westerwelle. "Eine
Regierung, die den Bürgern abverlangt, den Gürtel enger zu schnallen,
gleichzeitig aber den eigenen Apparat aufbläht, verhält sich dreist und
frech."
Grünen-Fraktionschef Kuhn warf der neuen Regierung Verschwendung vor: "Mit
Sparen hat das nichts zu tun. Das ist Postenjägerei." Steuerzahlerbund-Präsident
Däke kritisierte in der Zeitung: "Mit Blick auf die angekündigten
Mehrbelastungen für die Bürger ist diese Postenvermehrung absolut nicht
einzusehen. Wer von Anderen Verzicht verlangt, sollte mit gutem Beispiel
vorangehen."
In der Tageszeitung "Die Welt" rechnete Däke vor, dass jeder
Staatssekretär neben den Amtsbezügen von 118.200 Euro pro Jahr Anspruch auf
ein eigenes Büro, einen persönlichen Referenten, einen Sachbearbeiter, zwei
Sekretärinnen und einen Dienstwagen plus Fahrer habe. "Jeder Staatssekretär
kostet den Steuerzahler also 500.000 Euro pro Jahr", sagte Däke.
Nach den Vereinbarungen der Großen Koalition sollen der neuen Regierung neben
Kanzlerin Angela Merkel und den 15 Ministern insgesamt 30 Parlamentarische
Staatssekretäre angehören. Zusammen mit den 24 beamteten Staatssekretären würde
die Regierung damit auf 70 Personen anwachsen.
Die Parlamentarischen Staatssekretäre erhalten laut "Bild" ein
Amtsgehalt von 9850 Euro pro Monat, 5910 Euro Weihnachtsgeld sowie eine
Dienstaufwandentschädigung von jährlich 2760 Euro. Für ihre Abgeordnetentätigkeit
erhalten sie gekürzte Diäten von 4054 Euro im Monat sowie eine gekürzte
steuerfreie Kostenpauschale von 2691,75 Euro pro Monat.
Ungeachtet dieser Debatte kam am Morgen das Kabinett zu seiner ersten
Arbeitssitzung zusammen. Unter Merkels Leitung sollen bereits erste Beschlüsse
gefasst werden. Unter anderem wollen Union und SPD für reine Steuersparmodelle
wie Windkraft- und Medienfonds deutliche Einschränkungen beschließen. Auf der
Tagesordnung steht ferner die Beteiligung Deutschlands an zwei Polizeimissionen
der EU in den palästinensischen Gebieten.