Den Gewerkschaften warf der Konzernchef vor, bei der Arbeitszeit-Regelung für
deutsche Arbeitnehmer eine zu starre Haltung einzunehmen. "Die
Gewerkschaften müssen von dem Irrglauben abrücken, jedem die Arbeitszeit
vorschreiben zu wollen", sagte er. Um zu einer Flexibilisierung der
Tarifpolitik zu kommen, seien unter anderem Zeitkorridore erforderlich,
"die zwischen 25 und 45 Stunden Arbeit pro Woche ohne Überstundenzuschläge
zulassen". Die Abrechnung könne über Arbeitszeitkonten erfolgen, die über
48 Monate laufen.
Der Siemens-Chef forderte in dem Interview außerdem Bundesregierung und
Opposition auf, die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 ohne Abstriche
umzusetzen. "Die Reformen der Agenda 2010 müssen als Gesamtpaket, also
ohne 'Verschlimmbesserungen' in Einzelfragen, Gesetz werden."
Die Deutschen sollten sich vor dem Hintergrund wachsenden internationalen
Wettbewerbdrucks mehr anstrengen, verlangte von Pierer überdies. "Wir sind
leider ein bisschen zu satt geworden - dagegen sollten wir ankämpfen." Es
sei erforderlich, sich wieder auf bewährte Grundtugenden zu besinnen. Dazu gehörten
"Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Beharrlichkeit, Qualitätsbewusstsein".