Internationaler Wettbewerb wächst
Erneut führte der Kanzler aus, warum die Reformen seiner Ansicht nach
unabdingbar seien. Die fortschreitende Internationalisierung der Wirtschaft
setze die deutschen Unternehmen einem immer härteren Wettbewerb aus. Dadurch
wachse der Druck auf Löhne und Lohnzusatzkosten. Diese müssten "von den
Arbeitnehmern und den Arbeitgebern gemeinsam aufgebracht werden", forderte
Schröder. Ein zweiter wichtiger Grund sei der "radikal veränderte
Altersaufbau unserer Gesellschaft, auf den von allen politischen Kräften viel
zu spät reagiert worden ist."
Kluft zwischen Theorie und Praxis
Die Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen sei sehr groß, so Schröder,
allerdings nur dann, so lange sie abstrakt bleibe. "Sie schrumpft sehr
schnell, wenn es konkret wird und der Einzelne Auswirkungen auf die eigene
Lebenssituation befürchtet". Das sei zwar menschlich verständlich, könne
aber nicht Maßstab für eine verantwortungsvolle Politik sein.
Möglicherweise zu intime Fragen
Obwohl der Kanzler an den Hartz IV genannten Arbeitsmarkt- und Sozialreformen
grundsätzlich festhalten wollte, schloss er kleinere Korrekturen dennoch nicht
aus. In den umfangreichen Anträgen zum neuen Arbeitslosengeld II müssten möglicherweise
zu intime Fragen beantwortet werden. Wo die Behörden im konkreten Fall über
das Ziel hinausgeschossen seien, "muss man das im Detail korrigieren",
sagte er. Der Nachweis der Bedürftigkeit für den Bezug der Sozialleistung
bleibe aber unumgänglich.