Reforminitiativen von Managern
Demokratie als fliegende Kuh vermarkten (t-news 6.9.03)
Veränderungen
müssen her. Darüber ist sich Deutschlands Wirtschaftselite längst einig.
Immer mehr Meinungsführer bündeln ihren Protest in Reforminitiativen.
manager-magazin.de stellt die Köpfe und die Konzepte der drei einflussreichsten
Vereinigungen vor.
Frisch zurück aus dem Urlaub ist Dieter Rickert schon wieder voll in seinem
Element. "Bis Ende Oktober weiß ich, ob ich die Gründungsmitglieder für
meine Stiftung 'Klarheit in die Politik' zusammenbekomme", zeigt sich
Deutschlands wohl einflussreichster Headhunter im Gespräch mit
manager-magazin.de optimistisch darüber, schon in wenigen Wochen eine Liste
"wohlklingender Namen" präsentieren zu können.
Bei Rickert, der unter anderem Werner Seifert (Deutsche Börse ), Gerhard Cromme
(ThyssenKrupp ), Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn) und Jürgen Richter
(Bertelsmann) zu Vorstandsehren verhalf, scheint dieses Vorhaben in guten Händen.
Zwar ist er in Sachen Bürgerprotest nicht gerade der erste, aber mit Sicherheit
einer der professionellsten Player.
Als er am 19. Juli dieses Jahres nach München zur Präsentation seines
Vorhabens in den "Bayerischen Hof" lud, folgten rund 100
Meinungsmacher der Einladung des Netzwerkers. Insgesamt hatten 300 der 500
angeschriebenen Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler entweder schriftlich
oder persönlich ihre Sympathie mit der Rickert-Initiative bekundet.
Die Bevölkerung ist noch nicht so weit
Insgesamt 100 Millionen Euro jährlich will Rickert über Spenden mobilisieren,
um eine Kampagne zu starten, die "bereits vorhandenes Wissen in eine
allgemein verständliche Sprache übersetzt".
Ihn rege es auf, dass zum Beispiel der Sachverständigenrat für viel Geld
hervorragende Gutachten erstelle, die aber keiner verstehe. "Mit weniger
Geld ist es nicht zu machen, die Bevölkerung auf dem Reichweiten-Niveau der 'Bild'-Zeitung
von den notwendigen Reformen in Deutschland zu überzeugen", so Rickert.
Auch
bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die hauptsächlich von
den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird, ist
man sich darüber im Klaren, dass die Meinungsbildner längst umgedacht haben,
die Bevölkerung aber noch nicht so weit sei.
Um dies zu ändern, versucht auch die INSM, die lediglich einen Etat im
einstelligen Millionenbereich zur Verfügung hat, in Deutschlands größtem
Boulevardblatt regelmäßig statt zu finden. Ende August konnten unter der Überschrift
"Hat Deutschland keine Kraft für Reformen?" nicht nur der
INSM-Kuratoriumsvorsitzende und Ex-Bundesbank-Chef Hans Tietmeyer mit einem
Statement platziert werden, sondern zusätzlich in ihrer Funktion als
INSM-Botschafter der Historiker Arnulf Baring, "FAZ"-Kolumnist Hans D.
Barbier sowie die beiden Beraterlegenden Roland Berger und Gertrud Höhler.
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