Der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes
Baden-Württemberg, Walter Döring, hat heute in Stuttgart seine Forderung bekräftigt,
die vier Universitätskliniken und zehn Landeskrankenhäuser in Baden-Württemberg
zu privatisieren bzw. eine neue Aufgabenteilung zwischen Land und privaten
Investoren in der Krankenhausfinanzierung einzugehen.
Döring: „Die privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands haben großes
Interesse an einem entsprechenden Engagement in Baden-Württemberg. Daher sollte
die Privatisierung so schnell wie möglich mit einem ersten Modellprojekt
gestartet werden.“
Dies ging aus einer Anhörung hervor, an der heute auf Einladung des
Wirtschaftsministers die renommiertesten privaten Krankenhausbetreibern
Deutschlands teilnahmen (Asklepios Kliniken GmbH (Königstein-Falkenstein),
Christophsbad (Göppingen), Helios Kliniken GmbH (Fulda), Klinikum Wahrendorff
GmbH (Sehnde), MediClin AG (Frankfurt), Rhön Klinikum AG (Bad Neustadt), Sana
Kliniken GmbH (München) und Wittgensteiner Kliniken AG (Bad Berleburg)).
In dem Gespräch mit Döring haben die privaten Krankenhausbetreiber erste
Vorschläge zur Privatisierung bzw. Teilprivatisierung der Universitätskliniken
und der Landeskrankenhäuser entwickelt. Diese reichten von der privaten
Betriebsführung bis hin zu Beteiligungen und Übernahmen. Dabei seien Veräußerungserlöse
für das Land erzielbar. Auch die laufende Investitionsfinanzierung würde durch
die Privaten gesichert, was aufgrund des anstehenden großen Investitionsbedarfs
von zentraler Bedeutung sei. Die Forschung und Lehre bei den Universitätskliniken
und der Maßregelvollzugs für Straftäter in den Landeskrankenhäusern könnten
vertraglich gewährleistet werden. Die privaten Krankenhausbetreiber
versicherten auch, dass die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den
Krankenhäusern gesichert blieben.
Döring: „Für eine Privatisierung der Krankenhäuser spricht neben dem
ordnungspolitischen Aspekt vor allem das finanzpolitische Argument. Angesichts
der hohen Staatsverschuldung müssen dringend Privatisierungspotenziale
freigesetzt werden. Dies gilt für alle Privatisierungsmöglichkeiten von der
vollständigen materiellen Privatisierung bis zu den Modellen der
Public-Private-Partnership.
Gerade im Gesundheitswesen spielen die finanziellen Belange eine überragende
Rolle, da die Ausgaben für das Gesundheitswesen stark angestiegen sind.“
Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Sozialprodukt in Deutschland ist von 5 %
im Jahr 1960 (15 Mrd. DM) auf heute 11 % (415 Mrd. DM) gestiegen. Davon entfällt
etwa ein Drittel auf den Krankenhausbereich mit steigender Tendenz. Der Kosten-
und der Investitionsdruck auf die öffentlichen Anbieter wird also immer größer
werden. Auch die veränderten Vergütungsregelungen für die
Krankenhausfinanzierung ab dem Jahr 2003 würden den Druck auf die öffentlichen
Krankenhäuser stark erhöhen. Ab 2003 wird die Krankenhausfinanzierung im
Gegensatz zu heute unabhängig von der Verweildauer der Patienten generell als
Fallpauschalen ausgestaltet.
Döring: „Die Wirtschaftlichkeitsreserven in den Krankenhäusern müssen
konsequent ausgeschöpft werden. Die privaten Krankenhausbetreiber sind dazu in
der Lage.“
Döring kündigte an, jetzt eine politische Entscheidung der Landesregierung
herbeizuführen.
Quelle: Wirtschaftsministerium, 26.11.2001
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