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Reutlinger Generalanzeiger
30.06.2006 |
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Hintergrund:
Einschnitte mit dem Steueränderungsgesetz
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Berlin
(dpa) - Der Bundestag hat Einschnitte für Pendler, Kleinsparer sowie
Familien mit älteren Kindern beschlossen. Das Steueränderungsgesetz
2007 sieht zudem die Reichensteuer für Spitzenverdiener vor. Geplant
sind ferner Einschnitte bei der Absetzbarkeit privater Arbeitszimmer:
PENDLERPAUSCHALE: Künftig sollen Pendler Fahrtkosten zwischen Wohnung
und Arbeitsstätte erst vom 21. Kilometer an steuerlich geltend machen können.
Dazu soll das «Werkstorprinzip» eingeführt werden, nach dem
Aufwendungen für den Weg zur Arbeit zum Privatbereich gehören und so
nicht beim Fiskus abgesetzt werden können. Um Härten zu vermeiden,
sollen Fernpendler vom 21. Kilometer an 30 Cent wie Werbungskosten
absetzen können. Erhoffte Mehreinnahmen: bis zu 2,5 Milliarden Euro.
Nach früheren Angaben des Finanzministeriums sind die meisten
Arbeitnehmer nicht von der Einschränkung betroffen. Durch den
Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro sei jede Entfernung zur Arbeit bis
13,9 Kilometer weiter abgedeckt. Betroffen seien nur Fernpendler.
SPARERFREIBETRAG: Der Sparerfreibetrag soll für Ledige auf 750 Euro pro
Jahr und für Verheiratete auf 1500 Euro etwa halbiert werden. Zins- und
Kapitalerträge, die darüber hinausgehen, müssen dann der
Einkommensteuer unterworfen werden. So wäre etwa eine Spareinlage von
30 000 Euro bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent pro Jahr an der
Grenze zur Steuerzahlung, bei höheren Zinsen sinkt die Grenze. Für den
Staat werden davon Mehreinnahmen von jährlich 750 Millionen Euro
erwartet.
ARBEITSZIMMER: Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer sollen nur
noch dann vom Fiskus berücksichtigt werden, «wenn es den Mittelpunkt
der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet». So können
etwa Lehrer kein Arbeitszimmer mehr geltend machen. Das soll bis zu 300
Millionen Euro pro Jahr mehr Steuereinnahmen bringen.
REICHENSTEUER: Für Topverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als
250 000 Euro (Verheiratete 500 000) soll der Spitzensteuersatz
von 42 auf 45 Prozent steigen. Wegen verfassungsrechtlicher Risiken
werden 2007 aber alle Gewinneinkünfte - sowohl von Selbstständigen als
auch Freiberuflern - ausgenommen. 2007 dürften laut Union knapp 20 000
Bürger betroffen sein. Auch das Aufkommen sinkt, die Rede ist von 127
Millionen bis 250 Millionen Euro. 2008 sollen zusammen mit der
Unternehmensteuerreform alle Spitzenverdiener einbezogen werden. Dann
werden jährlich 1,3 Milliarden Euro erwartet.
KINDERGELD: Die Altersgrenze für die Zahlung von Kindergeld und
Kinderfreibetrag wird von 27 auf 25 Jahre gesenkt. Geplant ist eine Übergangsregelung:
Für Kinder vom Geburtsjahrgang 1983 an wird nur noch 25 Jahre lang
gezahlt, für Kinder des Jahrgangs 1982 bis zum 26. Geburtstag. Dies
soll jährlich 534 Millionen Euro bringen.
BERGMANNSPRÄMIE: Die 50 Jahre alte und laut Finanzministerium «seit
langem arbeitsmarktpolitisch überholte» Bergmannsprämie soll 2007
gesenkt und Anfang 2008 ganz abgeschafft werden. Die daraus erhofften
Mehreinnahmen belaufen sich auf 25 Millionen Euro.
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Höhere Diäten
CDU/FDP-Koalition setzt sich durch
Grundentschädigung steigt von monatlich 4750 auf 4806 Euro - Opposition
stimmt dagegen
Stuttgart - Der baden-württembergische Landtag hat mit der CDU/FDP-Mehrheit höhere
Diäten für die Abgeordneten beschlossen. Die Oppositionsfraktionen SPD und Grüne
votierten gegen den Antrag, der vorsieht, die steuerpflichtige Grundentschädigung
von monatlich 4750 auf 4806 Euro vom 1. Juli an anzuheben. Die pauschalen
Aufwandsentschädigungen werden auch erhöht, so dass die Teilzeitparlamentarier
je nach Wohnort insgesamt zwischen 6397 und 6936 Euro monatlich erhalten.
Die Diäten werden künftig nach einem im vergangenen Oktober beschlossenen
Verfahren der allgemeinen Einkommensentwicklung angepasst. Abgeordnete der SPD
und der Grünen betonten, ihre Fraktionen seien keineswegs gegen höhere
Bezahlung. Vor einer Entscheidung müsse aber eine grundlegende Diätenreform
kommen.
Reinhold Gall (SPD) warf der CDU/FDP-Koalition vor, mit ihrer Mehrheit Fakten zu
schaffen. Die Grünen-Abgeordnete Theresia Bauer nannte es
"instinktlos", dass sich die baden-württembergischen Parlamentarier
am selben Tag höhere Reisekostenpauschalen genehmigen, an dem im Bundestag die
Kürzung der Pendlerpauschale auf der Tagesordnung steht.
dpa/lsw
30.06.2006 - aktualisiert: 30.06.2006, 10:55 Uhr
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