Ingo
Stuetzle
Arbeit & Kapital (29.01.2005)
Niedriglohnland
Deutschland
Mal was anderes: Sozialdemokraten
mobilisieren gegen Niedriglohnland Deutschland und die dort üblichen
Hungerlöhne
Nur: Es sind die dänischen Sozialdemokraten,
die, um in den Parlamentswahlen Anfang Februar mit ausländerfeindlichen
Parolen und der Angst vor Verlagerung von Arbeitsplätzen nach
Deutschland auf Stimmenfang geht.
Und: Es funktioniert wie überall. So fand ein dänischer
Gewerkschaftsvorsitzender in einer Fernsehdebatte mit dem
rechtsliberalen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen
deutliche Worte: Eine Hauptursache der Misere in Dänemark sei die
Verlagerung von Arbeitsplätzen in das „Billiglohn-Paradies
Deutschland“, wo „Hungerlöhne“ gezahlt würden. Mit dieser
Kampagne ziehen die Gewerkschaftsspitzen an einem Strang mit dem dänischen
Spitzenkanidaten der Sozialdemokratie Mogens Lykketoft. Fakt ist
dass in der Schweinefleischindustrie, dem stärksten Zweig der dänischen
Landwirtschaft, mehrere hundert Arbeitsplätze nach Deutschland
verlegt werden sollen. Der Hauptgrund sind die Lohnkosten: Während
in Deutschland die Leier vom „wir müssen alle den Gürtel enger
schnallen“ immer noch keine Widerrede findet und jede
Lohnsenkungs- bzw. Arbeitszeitverlängerungsrunde ohne Widerstand
hingenommen wird, ist die BRD schon zu einem international
anerkannten Billiglohnstandort geworden.
Aber: Vielleicht ist aber sogar am
Niedriglohnland Deutschland was dran. Schließlich können sich
selbst Spitzenmanager keine angemessenen Armbanduhren mehr leisten
(>>> Der
Siemens-Chef und die verschwundene Rolex).