Lügen
ist geil!
Agenda
2010
Was
wir derzeit erleben, ist ein Generalangriff auf die sozialen Grundlagen in
unserem Land. Ge-sundheitssystem, Rente, Arbeitsmarkt, Arbeitslosenversicherung,
soziale Einrichtungen, Bildung, Privatisierungen in den Kommunen - überall wird
gekürzt, zusammengestrichen. Innerhalb weniger Monate wird all das durch den
Bundestag gepeitscht. Und es soll erst der Anfang sein!
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In
Bundestag und Bundesrat regiert derzeit eine ganz-große Koalition aller
Parteien. Im Kern sind sie sich alle einig: Drastische Einschnitte in den
Sozialstaat sind unerlässlich. Um diesen Sozial-abbau zu rechtfertigen,
verbreiten Politiker, aber auch Journalisten eine ganze Reihe von Lügen:
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Lüge Nr. 1:
Die Sozialausgaben des Staats seien ständig gestiegen.
Falsch!
Sie sind im Verhältnis zum
Bruttoinlandsprodukt seit 1996 sogar zurückgegangen und im Vergleich der
OECD-Staaten recht niedrig. Im übrigen weist nichts auf einen positiven
Zusammenhang zwi-schen niedrigen Sozialausgaben und florierender Wirtschaft hin.
Lüge Nr. 2:
Die Unternehmenssteuern seien zu hoch.
Eine
Unverschämtheit!
Ihr Anteil an den Steuereinnahmen
des Staats sinkt nämlich schon seit den 80er-Jahren ständig. Deutschland hat
die zweitniedrigste Steuerquote unter den OECD-Staaten. Im Übrigen gäbe es
ohne-hin keinen Beleg dafür, dass Länder mit hohen Steuern weniger
wettbewerbsfähig sind als andere.
Lüge Nr. 3:
Die Sozialhilfe werde in großem Umfang
missbraucht.
Eine
Lüge!
Tatsächlich machen viele
Sozialhilfeberechtigten, vor allem Ältere, ihre Ansprüche überhaupt nicht
geltend. Das mit Abstand höchste Sozialhilferisiko haben alleinerziehende
Frauen. Alles Kriminelle? Mehr als ein Drittel aller Sozialhilfeempfänger sind
Kinder und Jugendliche. Jeder siebte dieser Altersgruppe lebt von der
Sozialhilfe. Das sollte Anlass zur Sorge sein!
Lüge Nr. 4:
Die Senkung der Lohnnebenkosten werde zu mehr Arbeitsplätzen führen.
Ein
frommer Wunsch!
Wenn das so wäre, müsste
angesichts der Lohnzurückhaltung der letzten Jahre die Arbeitslosig-keit
gesunken sein. Das Gegenteil ist der Fall, denn wer garantiert uns, dass die höheren
Gewinne der Unternehmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze verwendet werden? So
erhielt der Vorstand von Daimler-Chrysler im vergangenen Jahr eine Gehaltserhöhung
um 131%!
Lüge Nr. 5:
Die Beitragssätze zur Sozialversicherung seien gestiegen, weil es im
Gesundheitswesen eine "Kostenexplosion" gebe.
Unsinn!
Der Anteil der Gesundheitsausgaben
am Brutto-Inlandsprodukt liegt zwischen 6 und 7 Prozent - seit 20 Jahren
konstant! Die Beitragssätze sind in Wirklichkeit deshalb gestiegen, weil sie
aus-schließlich auf Löhnen und Gehälten basieren, während andere
Einkommensarten nicht herangezo-gen werden. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit gibt
es also weniger Beitragszahler. Außerdem tragen Beamte, Selbständige, Freiberufler und Einkommensstarke
nicht zur Solidargemeinschaft bei.
Lüge Nr. 6:
Der Druck auf die Arbeitslosen müsse erhöht werden.
Das
ist Zynismus!
So steht in Ostdeutschland 26
Arbeitslosen eine offene Stelle gegenüber. Es ist das leicht zu widerlegende Märchen
vom faulen Arbeitslosen: So sind 50-Jährige mehr als doppelt so oft arbeitslos
wie 25-Jährige - nimmt Faulheit mit wachsendem Alter zu? Bauarbeiter werden im
Winter häufig arbeitslos - nimmt die Faulheit im Winter zu? In Ostdeutschland
ist die Arbeits-losigkeit mehr als doppelt so hoch wie im Westen - sind
Ostdeutsche doppelt so faul wie West-deutsche? Nicht
die Arbeitslosen sind das Problem! Es gibt nicht genügend Stellen.
Lüge Nr. 7:
Die Renten müssten gekürzt werden, weil die Zahl der Rentner im Verhältnis
zur Zahl der Arbeitsfähigen ständig zunehme.
Unfug!
Denn die Produktivität nimmt ja
ebenfalls ständig zu, mehr sogar als die demographische Entwick-lung: So schätzt
die Rürup-Kommission, dass die Wirtschaftsleistung pro Kopf jährlich um 1,8%
steigt - trotz demographischen Wandels. Es wundert sich ja auch niemand, dass
immer weniger Bauern immer mehr Menschen versorgen!
Tatsache
ist:
Es
ist genug für alle da!
ATTAC
Tübingen
www.attac.de/tuebingen attactue@jpberlin.de
V.i.S.d.P.:
Michael Stadelmann, Stöcklestr. 4, 72070 Tübingen