Regierungsberater Bert Rürup kann es nicht lassen: Obwohl seine Kommission längst
ihren Abschlussbericht vorgelegt hat, entwickelt er weiter Ideen für eine
Reform der Sozialsysteme in Deutschland. Sein neuester Vorschlag: weniger Geld für
arbeitsfähige Sozialhilfe-Empfänger. Wenn es nach ihm geht, erhalten die
Bezieher des künftigen Arbeitslosengeldes II künftig nur noch einen Regelsatz
von 70 Prozent.
Niedriglohnsektor soll installiert werden
Gleichzeitig sollten die Möglichkeiten, sich etwas dazuzuverdienen, verbessert
werden, "so dass jeder, der eine Erwerbsarbeit annimmt, ökonomisch besser
gestellt ist im Vergleich zum Arbeitslosengeld-II-Bezug", sagte Rürup der
Tageszeitung "Die Welt". Eine solche Reform sei nötig, wenn man in
Deutschland einen Niedriglohnsektor aufbauen wolle.
Renten-Special Sorglos ins Alter?
Rürup wirbt weiter für Rente mit 67
CSU-Rentenkonzept scharf kritisiert
Kein gutes Haar ließ Rürup an den Rentenvorschlägen der CSU: "Werden die
Beiträge und Renten nach der Kinderzahl gestaffelt, wie dies die CSU jetzt
vorschlägt, ist das der Tod der einkommensbezogenen Rentenversicherung."
Es wäre völlig falsch, das Rentensystem für Familienpolitik zu
instrumentalisieren. "Das Kind eines Selbstständigen, Beamten,
Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfängers ist für die Zukunftssicherung auch
unseres Rentensystems genauso wichtig, wie das Kind eines
Pflichtversicherten."
Erziehungsgeld sollte gestaffelt werden
Rürup sprach sich für eine aktive Bevölkerungspolitik aus, um das Problem der
Alterung der Gesellschaft zu bekämpfen. Mütter sollten ein Erziehungsgeld
bekommen, das umso höher sein sollte, je mehr die Frau zuvor verdient habe.
Gerade für gut qualifizierte Frauen seien die mit einem Kind verbundenen Kosten
aufgrund des Verdienstausfalls und der dauerhaft verringerten Karriere-Chancen
sehr hoch. Rürup sagte: "Hier muss moderne Familienpolitik ansetzen."