In Deutschland hat die relative Armut im vergangenen Jahr zugenommen. Das geht nach Informationen der "Welt am Sonntag" aus ersten Zahlen für den "Armuts- und Reichtumsbericht" hervor, den die Regierung Anfang kommenden Jahres vorlegen will. Demnach galten im vergangenen Jahr 13 Prozent der Bevölkerung als arm; ein Jahr zuvor waren es noch 12,7 Prozent. Besonders oft betroffen sind Alleinerziehende, Familien mit mehr als drei Kindern und Einwanderer.
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60 Prozent des Durchschnittseinkommens
Für Industrieländer gilt die Definition der "relativen Armut":
Hier gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in
seinem Land verdient. Nach Berechnungen des globalisierungskritischen Netzwerkes
Attac liegt diese Armutsgrenze im Westen Deutschlands bei 730,20 Euro Einkommen
monatlich, im Osten bei 604,80 Euro.
"Geringfügig gestiegen"
Familienministerin Renate Schmidt räumte ein, dass die Zahl der Menschen in
relativer Armut im vergangenen Jahr "geringfügig gestiegen" sei.
Armut habe aber unterschiedliche Gesichter, sagte sie: "Mit bis zu 60
Prozent des Durchschnittseinkommens fühlen sich die einen gar nicht arm, andere
kommen damit nicht zurecht."
Arme Kinder, allein erziehende Eltern
Die Zahl der Kinder, die in Deutschland von Sozialhilfe leben, stieg im
vergangenen Jahr um 64.000 auf 1,08 Millionen. Fast die Hälfte dieser Kinder
sind jünger als sieben Jahre. Mehr als die Hälfte lebt in Haushalten allein
erziehender Eltern. Schmidt sagte der Zeitung: "Eine Million Kinder, die
von der Sozialhilfe leben, sind zu viel." Der Staat müsse vermehrt denen
helfen, die sich anstrengen.