Demnach halten mehr als zwei Drittel der Befragten die Demonstrationen
der vergangenen Wochen für gerechtfertigt (67 Prozent). Besonders
ausgeprägt ist die Unterstützung in den neuen Bundesländern - mehr
als vier von fünf befragten Ostdeutschen (85 Prozent) unterstützen die
Aktionen. Vor allem Frauen (74 Prozent) und Menschen mit geringem
Einkommen oder nur teilweiser Berufstätigkeit (85 Prozent)
symphatisieren mit den Hartz-IV-Kritikern.
Der Protest kann viele Formen annehmen - von stiller Verweigerung bis
zu gewaltsamen Demonstrationen. Die meisten Deutschen jedoch können
sich lediglich vorstellen, zu verhältnismäßig moderaten Mitteln zu
greifen. So sind 83 Prozent der Befragten dazu bereit, an einer
Unterschriftensammlung teilzunehmen. In einer Bürgerinitiative würden
sich drei Viertel der Deutschen (75 Prozent) engagieren. Die Teilnahme
an einer genehmigten politischen Demonstration erwägen noch mehr als
sechs von zehn der Befragten (62 Prozent), einen Brief an den
Abgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis will dagegen nur jeder Zweite
verfassen. Immerhin 44 Prozent der Befragten würden ihrem Unmut dadurch
Luft machen, dass sie eine Partei wählen, die sie sonst nicht wählen würden.
Ostdeutsche
eher zu unorthodoxen Protestaktionen bereit
Die Teilnahme an unorthodoxen Protestaktionen wie der Besetzung von
Ämtern und anderen öffentlichen Gebäuden kann sich nur noch etwa
jeder Zwölfte vorstellen (acht Prozent). Auffällig ist jedoch, dass in
Ostdeutschland die Bereitschaft höher ist als im Westen des Landes, zu
unorthodoxen Mitteln zu greifen. Zwölf Prozent der befragten
Ostdeutschen sind bereit, ein Amtsgebäude zu besetzen, während nur
sieben Prozent der Westdeutschen dazu bereit sind.
Die Proteste dokumentieren auch die wachsende Kluft zwischen Wählern
und Gewählten: 40 Prozent der Befragten sagten, die Politik sei so
kompliziert, dass sie nicht mehr verstünden, was vor sich ginge - 2002
waren dies noch 35 Prozent und 2003 noch 37 Prozent der Befragten
gewesen. Zwar traut sich eine relative Mehrheit der Bevölkerung noch
zu, die Politik zu verstehen, aber im Vergleich zu 2002 ist dieser
Anteil von 50 Prozent auf 47 Prozent gesunken. Auch hier ist im Osten
der Anteil derjenigen, die sich von der Politik isoliert fühlen, mit 46
Prozent höher als im Westen (38 Prozent).
Noch größer als das Unverständnis der Bürger ist ihr Ohnmachtsgefühl
gegenüber der Politik. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent)
gab an, sie hätten ohnehin keinen Einfluss darauf, was die Regierung
unternehme. Dies ist allerdings kein neuer Trend - bereits 2003
vertraten 57 Prozent der Deutschen diese Ansicht.