|
|
|
manager-magazin.de, 07.11.2004, 22:24 Uhr HARTZ IV 500.000 Menschen gehen leer aus Rund eine halbe Million Menschen werden nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit ab 2005 keinen Cent mehr vom Staat bekommen. Experten warnen indes vor einer drastisch ansteigenden Kinderarmut in Deutschland im Zuge der Arbeitsmarktreformen. Berlin - Nahezu jeder vierte Bezieher von Arbeitslosenhilfe
wird nach Schätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) von 2005 an keine
staatliche Unterstützung mehr bekommen. Wie die "Berliner Zeitung"
berichtete, geht die Nürnberger Behörde davon aus, dass insgesamt rund 500.000
der derzeit über zwei Millionen Bezieher von Arbeitslosenhilfe künftig leer
ausgehen. Der Grund: Viele sind nicht mehr anspruchsberechtigt, weil ihr Partner
Geld verdient oder weil sie über Ersparnisse verfügen. Arbeitsagenturen in den
einzelnen Bundesländern verschicken ab Montag die ersten Bescheide. Die Bundesagentur rechnet damit, dass allein zehn bis 15 Prozent der Betroffenen gar keinen Antrag auf ALG II stellen werden, weil sie sich selbst keine Chancen auf Leistungen ausrechnen. Bei weiteren 200.000 bis 300.000 Antragstellern wird erwartet, dass der Bescheid abschlägig ausfallen wird. Wie aus Kreisen der Bundesagentur weiter verlautete, dürften insbesondere Frauen aus den neuen Bundesländern von der Neuregelung betroffen sein. Justiz bereitet sich auf Klagewelle vor Der MDR berichtete, dass sich die Thüringer Justiz auf eine Klagewelle wegen abschlägiger ALG-II-Bescheide vorbereite. Sein Haus bemühe sich derzeit um die Verstärkung der Sozialgerichte, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Fried Dahmen, dem Sender. Dazu würde bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten nach Richtern gesucht. Rund 7000 Menschen demonstrierten am Sonnabend unter dem Motto "Gemeinsam gegen Sozialraub, Agenda 2010 und Hartz IV" in Nürnberg gegen die Reformen der Bundesregierung. Die Veranstaltung verlief nach Angaben der Polizei trotz anfänglicher Sicherheitsbedenken ruhig. Die Demonstranten, unter denen sich auch einige hundert gewaltbereite Personen befunden hätten, seien aus ganz Deutschland angereist, hieß es. Kritik an der Förderung der Ich-AGs Laut der Zeitung "Die Welt" rügte der Bundesrechnungshof die BA wegen Fehlern bei der Förderung von Ich-AGs. Er warf der BA den Angaben zufolge schwere Versäumnisse bei der Förderung von Existenzgründern vor. Sie reichen von schlechter Beratung, über eine unzureichende Prüfung der Existenzgründungsvorhaben bis hin zur Verschwendung von Beitragsgeldern, wie die Zeitung unter Berufung auf eine interne Mitteilung des Bundesrechnungshofes berichtete. Kinderarmut wird drastisch steigen Die Kinderarmut in Deutschland wird sich im kommenden Jahr nach Expertenschätzung mehr als verdoppeln. Professor Thomas Olk von der Universität Halle/Wittenberg, Mitverfasser des "Kinderreports Deutschland 2004", sagte "Focus Online", schon derzeit lebe eine Million Kinder und Jugendliche an der Armutsgrenze. Nach Vorausberechnungen kämen vom 1. Januar 2005 an weitere 1,5 Millionen Kinder in Haushalten hinzu, die mit der Hartz-IV-Reform Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen. Das Deutsche Kinderhilfswerk stellt an diesem Montag in Berlin seinen "Kinderreport Deutschland 2004" vor. Auf 350 Seiten präsentieren 20 Experten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Lage der Kinder in Deutschland, den Schwerpunkt bilden dieses Jahr die Kinderarmut und ihre Auswirkungen.
| ||||||