Schröder will niedrigere Arbeitslosenhilfe
So soll das Arbeitslosengeld für Ältere zeitlich begrenzt werden. Laut Schröder
sollen die über 55-Jährigen es nur noch zwölf Monate erhalten, die unter 55-Jährigen
noch 18 Monate. Zur Zeit liegt die maximale Bezugsdauer für das
Arbeitslosengeld bei 32 Monaten. Das neue Arbeitslosengeld II solle außerdem künftig
"in der Regel dem Niveau der Sozialhilfe" entsprechen. 2004 sollen
Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt werden.
Auch künftige Rentenerhöhungen sollen geringer ausfallen, sagte Schröder.
Kündigungsschutz wird gelockert
Zugleich kündigte Schröder an, den Kündigungsschutz zu lockern. Kleinbetriebe
mit bis zu fünf Beschäftigten sollen künftig unbegrenzt Leih- und
Zeitarbeiter einstellen können, ohne dass damit für alle Beschäftigten der Kündigungsschutz
gilt. Damit habe sich "das zweite Modell" von Arbeitsminister Wolfgang
Clement durchgesetzt, sagte Schröder. Das erste Konzept sah vor, den
Schwellenwert von fünf Mitarbeitern zu flexibilisieren.
Neue Kritierien zur Kündigung
Auch die Sozialauswahl bei den betrieblichen Kündigungen soll nach den Worten
Schröders so umgestaltet werden, "dass auch in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten die Leistungsträger unter den Beschäftigten im Unternehmen gehalten
werden". Statt einer Sozialauswahl nur nach starren Kriterien wie Alter
oder Dauer der Betriebszugehörigkeit sollten die Prioritäten auch direkt
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern erarbeitet werden.
Schröder droht mit Ausbildungsabgabe
Die Wirtschaft ermahnte er eindringlich, ihr Lehrstellenversprechen einzuhalten.
Der Kanzler verwies darauf, dass derzeit 110 000 betriebliche Ausbildungsplätze
fehlten. "Sie wissen, ich bin kein Freund der Ausbildungsabgabe",
sagte der Schröder im Parlament. "Aber ohne eine nachhaltige Verbesserung
der Ausbildungsbereitschaft ist die Bundesregierung zum Handeln
verpflichtet".
Krankenkassen sollen entlastet werden
Auch im Gesundheitswesen stimmte Schröder die Bürger auf Einschnitte ein. In
seiner Regierungserklärung plädierte er dafür, dass Patienten das Krankengeld
künftig privat versichern und auch für die Arztkosten zuzahlen sollen. Die
Krankenkassen sollen von versicherungsfremden Leistungen befreit werden. Dadurch
sollen die Krankenkassenbeiträge von heute 14,3 auf unter 13 Prozent sinken,
erklärte Schröder.
Patienten sollen zuzahlen
Schröder plädierte dafür, auch bei den gesetzlichen Krankenkassen
"differenzierte Praxisgebühren und Selbstbehalte" einzuführen. Dies
hat die SPD bisher strikt abgelehnt. Dabei zahlen Patienten - bis zu einer
festgelegten Höchstgrenze - auch für den Arztbesuch und die Behandlung zu.
"Menschen mit geringem Einkommen, Kinder und chronisch Kranke müssen davon
ausgenommen werden", betonte Schröder. Dafür verzichtete Schröder überraschend
darauf, Freizeitunfälle künftig privat versichern zu lassen.
Dringlich gefordert - Reform
der Sozialsysteme
Im Überblick - Die
Eckwerte der Gesundheitsreform
Aufruf zu Einigkeit in Europa
Die europäischen Staaten eindringlich dazu aufgerufen, wirtschaftlich und
politisch zusammen zu stehen. "Wir werden sowohl unsere Verantwortung als
auch unsere mitgestaltende Rolle in einer multipolaren Weltordnung des Friedens
und des Rechts nur dann umfassend wahrnehmen können, wenn wir das auf der Basis
eines starken, geeinten Europa tun", sagte Schröder,
Es geht um die Unabhängigkeit von morgen
"Es geht um die Rolle Europas in der internationalen Politik. Es geht aber
auch um die Unabhängigkeit unserer Entscheidung in der Welt von morgen."
Beides könne nur erhalten werden, wenn Deutschland und Europa wirtschafts- und
sozialpolitisch beweglicher, solidarischer und stärker würden. "Europa
ist die Idee, der wir uns verpflichtet fühlen", sagte der Kanzler.
"Heute kann Europa Frieden und Stabilität, Gerechtigkeit und
wirtschaftliche Entwicklungschancen durchaus auch exportieren."
Merkel und Stoiber antworten
Zur Irak-Krise forderte er: "Wir müssen den Mut aufbringen, für den
Frieden zu kämpfen, solange noch ein Funken Hoffnung besteht, dass der Krieg
vermieden werden kann".