400 Millionen Euro Einsparung
Durch den Wegfall des Sterbegeldes verspricht sich die Regierung Einsparungen im
Gesundheitssystem von rund 400 Millionen Euro. Der Betrag für
versicherungsfremde Leistungen sinke damit von 4,5 auf 4,1 Milliarden Euro,
rechnete das Gesundheitsministerium vor. Noch werden je Versichertem 525 Euro
Sterbegeld gezahlt, für Mitversicherte die Hälfte. Anspruch hat aber ohnehin
nur, wer schon vor dem 1. Januar 1989 Mitglied der Sozialversicherung war.
Zuzahlung bei Medikamenten steigt
Zudem sollen Patienten bei Medikamenten mehr zuzahlen: Je nach Größe sind den
rot-grünen Plänen zufolge 4,60 oder acht Euro für die Packung fällig. Aber
es gibt Ausnahmen: Belohnt werden sollen Patienten, die immer zuerst zum
Hausarzt gehen oder an einem der neuen Spezialprogramme für chronisch Kranke
teilnehmen. Sie sollen nur die Hälfte zuzahlen - also 2,30 und vier Euro.
Bisher liegen die Zuzahlungen bei vier Euro für die kleine, 4,50 Euro für die
mittlere und fünf Euro für die große Packung.
Rauchen für das Gesundheitssystem
Die Einnahmen aus der höheren Tabaksteuer sollen nach Angaben der Regierung
indes komplett in die Sanierung der Krankenkassen fließen. Die Höhe der
Einnahmen blieb aber umstritten. Auf die Steuererhöhung um einen Euro je
Schachtel hatte sich die Koalition am Donnerstag geeinigt. Schmidt bezifferte
den Umfang sämtlicher Reformvorhaben im Gesundheitswesen auf acht Milliarden
Euro.
"Kriegserklärung an Patienten"
Mit markigen Worten reagierte die Opposition auf die Gesundheitspläne: Die
FDP sprach von einer "Kriegserklärung an Patienten und Ärzte", die
Union von einer "Ansammlung von Provokationen". Noch sei kein einziger
Arbeitsplatz entstanden und schon werde die nächste Steuer erhöht, kritisierte
CDU-Chefin Angela Merkel. "Da verschlägt es einem doch die Sprache".
Sie plädierte dafür, Reformvorhaben mit Subventionskürzungen statt mit
Steuererhöhungen zu finanzieren. Der Gesundheitsexperte der Union Horst
Seehofer lehnte das geplante "Eintrittsgeld" beim Arztbesuch strikt
ab. Auch die Abschaffung des kassenfinanzierten Krankengeldes sei mit der Union
nicht zu machen.