Von
Miriam Opresnik
Die
Zahl der armen Kinder in Hamburg ist weiter angestiegen: Im Juni haben 51 985
Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren Sozialgeld nach SGB II (Hartz IV)
erhalten und gelten damit laut einer Definition des Paritätischen
Wohlfahrts-verbandes als arm. Das sind 23 Prozent der 225 724 unter 15-Jährigen
in der Hansestadt. Im Juli 2005 lag die Zahl der Sozialgeld-Bezieher unter 15
Jahren noch bei 46 753, im Oktober bei 49 190. Das hat eine Anfrage des
Abendblatts bei team.arbeit.hamburg ergeben - einer Arbeitsgemeinschaft der
Hansestadt Hamburg und der Agentur für Arbeit - die für die Umsetzung der
Hartz-IV-Reformen in Hamburg zuständig ist.
"Diese
Entwicklung ist erschreckend", sagt Richard Wahser,
Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg. Der Verband hatte
im vergangenen Jahr eine bundesweite Kinderarmutsrangliste veröffentlicht, bei
der Hamburg auf dem sechsten Platz lag - noch vor Brandenburg und Thüringen.
Bereits damals befand sich Hamburg mit einer Quote von 20,4 Prozent jugendlicher
Sozialgeldbezieher weit über dem Bundesdurchschnitt von 13,4 Prozent. Und
seitdem ist die Zahl weiter angestiegen. Inzwischen lebt fast jedes vierte Kind
in Hamburg auf Sozialhilfe-Niveau.
"Es
ist das eingetreten, was wir befürchtet haben: Die Zahl der Kinder
und Jugendlichen auf Sozialhilfe-Niveau hat sich im Zuge der Hartz-IV-Reform
fast verdoppelt", so Uwe Hinrichs, Geschäftsführer vom
Kinderschutzbund Ham-burg. Angesichts der jüngsten Entwicklung fordert die
GAL-Bürgerschaftsfraktion erneut einen Armutsbericht. "Wir können nicht länger
an den Symptomen herumdoktern, ohne die Ursachen zu kennen", so Martina
Gregersen, sozialpolitische Sprecherin. Sie hat zwei Anträge auf Wiedereinführung
eines Armutsberichtes gestellt, beide wurden abgelehnt.
Die
Sozialbehörde weist die Kritik zurück. Die Armutsberichte seien wegen
mangelnder Aktualität und fehlender Hand-lungsansätze unwirksam geworden. Sie
werden künftig durch sogenannte Lebenslagen-Berichte ersetzt. Darin sollen
unterschiedliche Lebenslagen von hilfebedürftigen Menschen beschrieben und
analysiert werden. "Es gibt nicht die eine Problemkonstellation, aus der
wir Menschen heraus helfen müssen", so Sozialsenatorin Birgit Schnieber -
Jastram (CDU). "Aber es gibt Gruppen, die sich in einer ähnlichen Lage
befinden und für die wir spezifische Lösungen anbieten wollen." Bürgermeister
Ole von Beust (CDU) hatte bereits zugesagt, sozial schwache Stadtteile stärker
fördern zu wollen. "Kinder sind unsere Zukunft und dürfen nicht durch das
Rost fallen", so Egbert von Frankenberg, Vorsitzender der CDU-Sozialaus-schüsse.
Die
SPD-Sozialexpertin Petra Brinkmann kündigte an, das Thema im nächsten
Sozialausschuss zu besprechen. "Armut gilt als einer der größten
Risikofaktoren für Kindervernachlässigung und muss bekämpft werden." Das
fordert auch der Kinder-schutzbund. "Wir müssen den Kreislauf der Armut
durchbrechen", so Hinrichs. Sonst würden aus armen Kindern arme
Erwachsene.
erschienen am 5. August 2006
Kindern
in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, deren Eltern Hartz IV erhalten (345 Euro),
steht monatlich ein Sozialgeld in Höhe von 209 Euro zu - unabhängig davon, ob
die Kinder fünf oder 15 Jahre alt sind. Damit sollen alle Aufwendungen
abgedeckt werden - angefangen vom Schulranzen bis hin zu den neuen Turnschuhen.
Darüber
hinaus werden nur noch in wenigen, gesetzlich festgelegten Fällen zusätzliche
Leistungen bewilligt. Wie zum Beispiel für die Erstausstattungen von Wohnungen
einschließlich Haushaltsgeräten, Erstausstattungen für Bekleidung einschließlich
bei Schwangerschaft und Geburt sowie mehrtägige Klassenfahrten. Früher standen
Sozialhilfeempfängern darüber hinaus noch weitere Leistungen zu. Im Zuge der
Hartz-IV-Reform ist das jedoch eingestellt worden.
nik
erschienen
am 5. August 2006