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HINTERGRUND FR-online
Discounter Deutschland
VON MARIO MÜLLER

Ihr Ziel sei es, "mit nachhaltigen Steuerentlastungen das
Wirtschaftswachstum in Deutschland zu erhöhen". Sagt die
Bundesregierung. Und sie hat sich auf den Weg gemacht. Dummerweise führt
der in die falsche Richtung.
Der Spitzensatz der Einkommensteuer wurde von einst 53 auf nunmehr 42
Prozent gesenkt. Unternehmen, die als AG oder GmbH firmieren, zahlen auf
ihre Gewinne statt 45 nur noch 25 Prozent Körperschaftsteuer.
Inzwischen kann man die Bundesrepublik ohne Übertreibung als
Steuerparadies bezeichnen.
Das Verhältnis von Steuereinnahmen zur gesamtwirtschaftlichen Leistung,
gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), ist mit 20 Prozent so niedrig
wie noch nie in der Geschichte des Landes. Auch im Vergleich zu anderen
Industrienationen gehört die Bundesrepublik Deutschland mit dieser
Quote zu den Discountern.
Doch ihrem Ziel ist die Bundesregierung damit keinen Schritt näher
gekommen. Die Wirtschaft wächst, wenn überhaupt, mit äußerst
mickrigen Raten, die Arbeitslosigkeit erreicht traurige Rekordhöhen.
Für viele Wissenschaftler ist dieses Ergebnis nicht überraschend. Die
US-Ökonomen Eric Engen und Jonathan Skinner beispielsweise kommen zu
dem Ergebnis, dass niedrigere Steuern zwar zu einem stärkeren
Wirtschaftswachstum führen können. Die Wirkung sei aber, wie
theoretische Modelle und empirische Beobachtungen zeigten, relativ
gering.
Das scheint traditionellen Keynesianischen Ansätzen, die mit
Steuersenkungen die Konjunktur ankurbeln wollen, zu widersprechen. Tut
es aber nur bedingt. Erstens kommt es darauf an, wer von niedrigeren
Abgaben profitiert. Die private Nachfrage lässt sich am besten
stimulieren, wenn die Bezieher niedrigerer Einkommen weniger Abgaben
zahlen müssen. Durch die rot-grüne Reform wurden aber, wie der
Berliner Ökonom Giacomo Corneo herausfand, vor allem die reichen Bürger
entlastet.
Zweitens ist die andere Seite der Bilanz zu beachten: Wenn Steuerausfälle
dazu führen, dass der Staat seine Ausgaben etwa für Investitionen und
die Infrastruktur kürzt, wird das Wirtschaftswachstum gebremst und
leidet die Beschäftigung. Genau dies ist hierzulande der Fall.
Ihre Steuerpolitik, behauptet die Bundesregierung, sei symmetrisch:
"Die Angebotsbedingungen für die Unternehmen werden deutlich
verbessert, zugleich gibt es durch die Entlastung gerade für Familien
mit Kindern eine deutliche Ausweitung der Nachfrage." Zumindest das
Erstere stimmt.
Doch die Unternehmen haben die günstigeren (Steuer-)Bedingungen nicht,
wie von Berlin erwartet, genutzt, um für mehr Arbeitsplätze zu sorgen,
sondern schütten die höheren Gewinne an die Eigentümer aus. Die
Kapitalerträge aber werden in keinem zivilisierten Land so von den
Finanzbehörden verschont wie in der Bundesrepublik.
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