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12. Februar 2005
DGB-Chef Sommer kündigt Kurswechsel
in der Gewerkschaftspolitik an
Nach den erfolglosen Protesten gegen die Reformpolitik von Bundeskanzler
Gerhard Schröder im vergangenen Jahr hat DGB-Chef Michael Sommer einen
Kurswechsel in der Gewerkschaftspolitik angekündigt. "Die
Gewerkschaften verkennen nicht, dass die Politik in vielen Bereichen die
Entscheidung getroffen hat, die Sozialsysteme auf eine Grundversorgung
zu reduzieren", sagte Sommer in einem Gespräch mit dem
Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Das können wir kritisieren, ändern
werden wir es nicht mehr." Der Weg zu einem Sozialstaat, der nicht
mehr den Lebensstandard absichere, sei "unumkehrbar
eingeschlagen". Stattdessen forderte Sommer die Gewerkschaften auf,
nun die "Schlussfolgerungen aus der Entwicklung zu ziehen".
Die Grundlagen des Sozialstaates hätten sich "durch die
demografische Entwicklung, die anhaltende Massenarbeitslosigkeit und die
Globalisierung stark verändert", sagte Sommer weiter.
"Deshalb müssen wir darüber diskutieren, welche Aufgaben der
Sozialstaat künftig noch übernehmen kann und wie seine Strukturen
umgebaut werden müssen." Insbesondere schlug der DGB-Chef vor, die
Sozialversicherungen künftig anders zu finanzieren als bisher.
"Wir können und müssen Sozialabgaben senken", sagte er dem
SPIEGEL. "Und wir brauchen einen höheren Steueranteil, mit dem das
finanziert wird." Zugleich räumte Sommer ein, dass die
Gewerkschaften ihre Positionen im vergangenen Jahr nicht verständlich
genug vermittelt hätten. "Der Fehler war, dass wir es nicht immer
verstanden haben, unsere Position und unsere eigene Reformagenda
differenziert darzustellen", sagte der DGB-Chef.
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