CSU fordert weitere soziale Einschnitte
Nach dem Willen von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber soll das Vorziehen
der Steuerreform durch weitere Einsparungen bei Arbeitslosen und
Sozialhilfe-Empfängern finanziert werden.
"Notwendigkeit bei Einsparungen"
Demnach könnten bei der Bundesanstalt für Arbeit "milliardenschwere
Ausgaben" für ABM- und Weiterbildungsmaßnahmen gestrichen werden, um so
den Bundeszuschuss zu reduzieren, sagte Stoiber. Außerdem gebe es die
"Notwendigkeit" zu Einsparungen bei der Sozialhilfe. Es bleibe bei dem
Ziel, höchstens ein Viertel der Kosten, die das Vorziehen der Steuerreform
verursacht, über Kredite zu finanzieren. Drei Viertel sollten "durch
Einsparungen erwirtschaftet werden", forderte der CSU-Politiker. Obendrein
schlug er erneut vor, arbeitsfähigen Sozialhilfeempfängern nur noch Geld gegen
Leistung auszuzahlen.
Umstrittene Reform
Hintergrund: Die ursprünglich für 2005 geplante dritte Stufe der Reform soll
nach Plänen der Regierung auf 2004 vorgezogen werden. Die Steuerzahler sollen
so um rund 15,6 Milliarden Euro entlastet werden. Die dadurch entstehenden
Mindereinnahmen will die Regierung allerdings weitgehend mit neuen Schulden
finanzieren. In den unionsgeführten Länder ist das umstritten: Sie wollen das
Vorhaben im Bundesrat ablehnen und den Vermittlungsausschuss anrufen. Am Freitag
beschäftigt sich die Länderkammer mit dem Thema.
Distanz zu Merz
Zuvor war die CSU auf Distanz zum Steuerkonzept der Schwesterpartei gegangen:
Anders als Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz hält die CSU nach Angaben des
bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser an einem linear-progressiven Tarif
fest. Merz schlägt hingegen feste Steuersätze in drei Stufen vor, beginnend
bei 12 Prozent, dann 24 Prozent und höchstens 36 Prozent. Die CDU-Spitze hatte
das Konzept gestern im Grundsatz gebilligt.
Verzwickter Stufentarif
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos bezeichnete es als Nachteil, wenn es im
Steuerrecht zu starke Belastungssprünge gebe. Allerdings sieht Merz'
Steuerkonzept nicht vor, das komplette Einkommen mit dem entsprechenden
Stufentarif zu belastet - will heißen: Bekommt ein Arbeitnehmer 16.000 Euro im
Jahr, unterliegt der Verdienst einem Tarif von zwölf Prozent. Klettert sein
Gehalt um beispielsweise 500 Euro, muss er nur diesen Betrag mit dem höheren
Satz von 24 Prozent besteuern.
"Rücksicht auf kleine Leute"
Auch der CDU-Vorschlag, Vergünstigungen wie die Pendlerpauschale vollständig
zu streichen, stößt in der CSU auf Ablehnung. Glos begründete die Einwände
auch damit, dass die CSU Rücksicht auf Geringverdiener nehmen müsse.
"Wenn wir den Anspruch haben, zwei Drittel der Menschen zu vertreten, dann
muss man vorsichtig sein im Umgang mit den kleinen Leuten", sagte er. Die
CSU indes will ihr Steuerkonzept Anfang 2004 vorstellen