06. Januar 2006 - Die
Linke Pressemitteilung 025/2006
Jetzt ist es amtlich: Clement-Report wissenschaftlich nicht haltbar!
Zum Clement-Report und dem angeblich massenhaften Sozialmissbrauch erklärt
die Sprecherin für Sozialpolitik der Fraktion DIE LINKE im Deutschen
Bundestag Katja Kipping:
Eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE brachte es ans Tageslicht: Die
Bundesregierung besitzt weder objektive noch wissenschaftliche Erkenntnisse über
den vom ehemaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement behaupteten
Sozialmissbrauch. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums für Arbeit
und Soziales hervor. Ziel des vom Clement-Ministerium im Sommer 2005
herausgegebenen Reports vom Arbeitsmarkt sei es gewesen, " durch die
pointierte Darstellung von ausgewählten Fällen die Öffentlichkeit auf die
Problematik des Leistungsmissbrauchs aufmerksam zu machen. Eine
wissenschaftliche Begleitung war zur Erreichung dieses Zieles nicht
erforderlich." So der Wortlaut der Antwort der Bundesregierung.
Nun ist es regierungsamtlich: Der Clement-Report ist wissenschaftlich nicht
haltbar. Umso skandalöser ist es, dass dieses Propaganda-Pamphlet bereits
Niederschlag in der Koalitionsvereinbarung gefunden hat, meint dazu Katja
Kipping. So resultiert u. a. die in der Koalitionsvereinbarung vorgesehene
Beweislastumkehr bei eheähnlichen Lebensgemeinschaften aus den Einzelfällen
von "Männern in Unterhosen in der Wohnung von allein Erziehenden"
im Clement-Bericht.
Während der unseriöse Clement-Report den Eindruck von massenhaftem
Sozialmissbrauch erweckt, stellen repräsentative empirische Befunde fest,
dass die so genannte Missbrauchsquote bei Sozialleistungen gerade mal zwischen
2 bis 3 Prozent liegt. Anstatt Erwerblose als "Abzocker" im
Sozialstaat noch weiter zu stigmatisieren und doppelt und dreifach zu
bestrafen, sollte sich die Bundesregierung energischer dem Problem
Steuerhinterziehung widmen. Das wäre auch aus Haushaltssicht wesentlich
effektiver, fordert Katja Kipping. Schließlich beklagt die Deutsche
Steuergewerkschaft Einnahmeverluste durch Steuerhinterziehung und -tricks in Höhe
von 70 bis 90 Milliarden Euro.