Arbeiten zum Nulltarif
"Stiftung Marktwirtschaft" will die Lehrlingsverguetung generell
abschaffen
Stefan
Wogawa
In der Diskussion um die Zukunft der betrieblichen Berufsausbildung hat sich am
Mittwoch auch die "Stiftung Marktwirtschaft" zu Wort gemeldet. Statt
ein "buerokratisches Monstrum" einer Ausbildungsplatzabgabe
einzufuehren, sollten die eigentlichen Ursachen des Mangels an
Ausbildungsplaetzen bekaempft werden, fordert Stiftungsvorstand Lueder Gerken.
Dazu gehoerten insbesondere zu hohe Ausbildungsverguetungen. "Eine
Null-Verguetung fuer Auszubildende darf kein Tabu sein", so der
habilitierte Volkswirt und Jurist Gerken.
Die 1982 als "Frankfurter Institut" gegruendete Stiftung, die heute
ihren Sitz in Berlin hat, setzt sich fuer eine "Renaissance
ordnungspolitischen Denkens" ein. Ihre Beteiligung an
gesellschaftspolitischen Debatten sieht sie in einer Selbsteinschaetzung als
"Ruf der wirtschaftlichen Vernunft".
"Wenn Unternehmen nicht ausbilden, dann deshalb, weil sich die Ausbildung
von Jugendlichen nicht lohnt", erlaeutert Gerken seine Sicht der Situation,
die durch eine Jahr fuer Jahr abnehmende Zahl betrieblicher Ausbildungsstellen
gekennzeichnet ist. Zentraler Ausgangspunkt zur Schaffung neuer
Ausbildungsplaetze sei deshalb eine Absenkung der Verguetung. "Das sollte
auch bedeuten, dass zumindest im ersten Ausbildungsjahr ueberhaupt keine
Ausbildungsverguetung gezahlt wird", so Gerken weiter. "Warum soll ein
Auszubildender, solange er beim ausbildenden Unternehmen mehr Kosten als Nutzen
verursacht, Gehalt beziehen", argumentiert er namens der Stiftung. Schon
die Ausbildung an sich sei schliesslich ein Vorteil fuer die Jugendlichen.
Die "Stiftung Markwirtschaft" bezeichnet sich in ihrer
Internetpraesentation als unabhaengig. Sie erhalte keine staatliche Foerderung
und finanziere sich allein durch Spenden. Im Stiftungsrat sitzen
Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank, der DZ Bank, des international
agierenden Haniel-Konzerns und ein frueherer Vorsitzender des
"Gesamtverbandes der metallindustriellen Arbeitgeberverbaende". Im
"Kronberger Kreis", der die Stiftung beraet, finden sich drei
langjaehrige Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des
Bundeswirtschaftsministeriums und ein ehemaliger Wirtschafts-Staatssekretaer.
Gerken selbst steht auch der "Friedrich-von-Hayek-Stiftung" als
Geschaeftsfuehrender Vorstand vor. Sie wurde vom Finanzkonzern Wuestenrot &
Wuerttembergische AG eingerichtet.
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(c) Junge Welt 2004
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