"Angstfreies Leben" ist beendet
IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel hat den Kompromiss bei den Arbeitsmarktreformen
scharf kritisiert. Die Einigung beende ein "angstfreies Leben", sagte
der Chef der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt im Deutschlandfunk.
"Wer heute oder morgen seinen Arbeitsplatz verliert, wird auf der
Rutschbahn derart steil nach unten gehen, dass er glaubt, er ist in einem
anderen Land, aber nicht mehr in Deutschland."
Keine Arbeitsplätze durch Kündigungsschutz
"Schlechtes Konzept wird noch schlechter"
Auch Verdi-Chef Frank Bsirske hat die Bundesregierung scharf angegriffen.
"Ein an sich schlechtes Konzept ist noch schlechter geworden", sagte
er der "Rheinischen Post". In dieser Hinsicht habe die rot-grüne
Steuerpolitik die der Union überboten. Als problematisch sah Bsirske vor allem
die Neuregelungen am Arbeitsmarkt an: "Weil nun jede Arbeit zumutbar ist,
gerät das Lohnniveau gewaltig unter Druck."
Bsirkse erwartet Proteste
"Ich bin sicher, dass die Proteste zunehmen, wenn die Menschen die Wirkung
dieser Politik - Praxisgebühr, Absenkung der Arbeitslosenhilfe - spüren",
sagte der Gewerkschaftschef. Die Demonstration mit 100.000 Teilnehmern am 1.
November sei ein ermutigender Anfang gewesen.
Misstrauen in der Industrie
Im Gegenzug begrüßte Michael Rogowski, der Präsident des Bundesverbandes der
Deutschen Industrie, die angkündigten Steuererleichterungen. Er sagte jedoch
dem "Tagesspeigel", zuerst müsse man analysieren, welche Belastugnen
aus den Veränderungen der Gewerbesteuer und der Minderbesteuerung auf die
Unternehmen zukämen: "Wir müssen in das Kleingedruckte sehen."
Verabschiedung für Freitag geplant
Die Bundestagsfraktionen besprechen heute in Sondersitzungen den
Reformkompromiss des Vermittlungsausschusses. Am morgigen Freitag sollen
Bundestag und Bundesrat die Pläne dann absegnen.