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Junge Welt 07.02.2005
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| Kommentar |
| Jürgen Elsässer |
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| Stoiber hat recht |
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| Streit über Schuld am NPD-Erfolg |
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Der bayrische Löwe hat gebrüllt, und halb Deutschland sitzt
jetzt auf dem Sofa und nimmt es ihm übel. »Stoiber gibt Schröder Schuld
am NPD-Erfolg«, faßt eine Sonntagszeitung die Kernaussage ihres
Interviews mit dem CSU-Vorsitzenden zusammen. Damit habe er sich »politisch
ins Abseits« manövriert, konterten die Hofschranzen des Kanzlers.
Stoiber gehe es nur um kleinkariertes Taktieren – schließlich habe die
Union den Hartz-Gesetzen zugestimmt und könne deshalb nicht die Regierung
allein für deren Folgen verantwortlich machen.
Selbstverständlich ist es die Schuld aller bürgerlichen Parteien und
nicht nur der SPD, daß mit offiziell sechseinhalb Millionen Arbeitslosen
eine Situation herrscht, »wie Deutschland sie seit 1932 nicht mehr hatte«
(Stoiber). Aber daß daraus die Neonazis Nutzen ziehen könnten, liegt
tatsächlich ausschließlich an Schröder und seiner Koalition. Denn was
die Leute zur Verzweiflung und in den politischen Wahnsinn treibt, ist
doch der Umstand, daß nicht die schwarzen Kapitalistenknechte den
Sozialstaat abgeschafft haben, von denen man ja nichts anderes erwarten
konnte, sondern die angeblichen Roten. Und anders als die Herren der
Deutschen Bank und die von ihr bestochenen Politiker, die wenigstens immer
ganz offen Klassenkampf-Fraktur (»Peanuts«, »Humankapital«) sprechen,
rechtfertigen die rosa Strolche ihre Räubereien auch noch im Jargon der
Arbeiterbewegung und reden frech von »Reformen« und »Sozialpolitik«.
So hat die SPD-Spitze ihrer eigenen Basis nicht nur das Geld aus der
Tasche, sondern auch noch den Verstand aus dem Hirn gezogen. Kein Wunder,
daß Menschen, denen so ihre materiellen und intellektuellen
Existenzgrundlagen abhanden kamen, leichte Beute für Rattenfänger sind.
Daß die enttäuschten Sozis nach rechts abwandern, ließe sich vermutlich
verhindern, wenn es nennenswerten Sozialprotest von links gäbe. Doch die
Spitzen von IG Metall und ver.di haben die Ansätze dazu bei Opel, VW und
Karstadt abgewürgt, und die PDS beteiligt sich in Berlin und MeckPomm gar
an der Ausplünderung der Bevölkerung. Immerhin haben sich Teile der
Linken und der Gewerkschaften diesem Trend entzogen und im letzten Herbst
einiges auf die Beine gestellt. Die Frage ist nun, ob diese
Aktivistenkerne zusammenbleiben und einen neuen Anlauf nehmen. Das kann
jedoch nur gelingen, wenn sie sich Schröders Aufruf zum gemeinsamen Kampf
gegen die NPD verweigern. Nichts würde den Nazis mehr in die Hände
spielen, als wenn sich die linken Hartz-Gegner wieder mit den
Hartz-Verbrechern verbündeten und damit den Antikapitalismus preisgäben. |
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