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GEA 21.4.06
Hier eine Einschätzung des neoliberalen Think-Tank
Bertelsmann-Stiftung: Quelle:GEA 20.4.06
Deutschland
im Ranking der Bertelsmann Stiftung Schlusslicht
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Gütersloh
(dpa) - Trotz positiver Stimmung der Wirtschaft liegt Deutschland in
einem Vergleich der 21 führenden Industrienationen durch die
Bertelsmann Stiftung bei Wirtschaftswachstum und Beschäftigung
weiterhin auf dem letzten Platz.
Der deutsche Punktwert bei dem Standortranking sei im Vergleich zum
Herbst 2005 erneut leicht gesunken, teilte die Stiftung in Gütersloh
mit. Am besten schnitten Irland und die USA ab. Ein «gravierendes
Problem» und Grund für das trübe Bild des Standorts Deutschland sei
vor allem die hohe Arbeitslosigkeit älterer Menschen.
Der Studie zufolge sind in keinem der 21 untersuchten Industrieländer
so viele Menschen über 50 Jahre arbeitslos wie in Deutschland. Die
Arbeitslosenquote der 55- bis 64-Jährigen liege in Deutschland bei 11,3
Prozent, in den Vergleichsländern durchschnittlich bei 4,4 Prozent.
Spitzenreiter sind Norwegen und Irland, die bei den 55- bis 64-Jährigen
auf eine Arbeitslosenquote von nur 1,1 und 2,4 Prozent kommen.
Gleichzeitig sei in Deutschland die Erwerbsbeteiligung - Menschen die
einen Job haben oder Arbeit suchen - in dieser Altersgruppe mit 44,2
Prozent «extrem gering». Grund der hohen Arbeitslosigkeit älterer
Menschen sei die Arbeitsmarktpolitik mit dem Trend zu Frühverrentung
und Altersteilzeit.
Nach Aussage der Bertelsmann Stiftung haben vor allem auch der mit 0,7
Prozent unterdurchschnittliche Zuwachs der Beschäftigtenzahlen und das
im internationalen Vergleich mit rund 30 000 Euro geringe
Pro-Kopf-Einkommen das deutsche Ergebnis heruntergezogen. In 15 der 21
untersuchten Staaten sei dieser Wert teils um bis zu 50 Prozent höher
als in Deutschland.
Als kritisch bewertete die Stiftung die Staatsverschuldung - im
laufenden Jahr werde sich der Schuldenstand auf etwa 72 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts belaufen. Daher seien Konsolidierungspläne wie
die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 2007 an unzureichend. Vor allem die
Subventionen gehörten auf den Prüfstand, forderte die Stiftung. Die
deutsche Staatsquote sei mit aktuell 45,7 Prozent überdurchschnittlich
hoch - die Spitzenreiter der Studie hätten Staatsquoten von unter 40
Prozent.
Die Stiftung hatte erstmals im Herbst 2004 ein internationales
Standort-Ranking veröffentlicht, das die Entwicklung von 21
Industrienationen vergleicht und bewertet. Ein Erfolgsindex misst die
aktuelle Lage der Länder hinsichtlich Arbeitsmarkt und
Wirtschaftswachstum. In einem zweiten Schritt wird ein so genannter
Aktivitätsindex ermittelt, der politische Maßnahmen widerspiegelt.
Bei diesem Wert verbesserte sich Deutschland nach Punkten im Vergleich
zum Herbst 2005 leicht - blieb aber auf dem 16. Platz knapp hinter Österreich.
Grund der höheren Punktzahl sei etwa die vergleichsweise geringe
Jugendarbeitslosigkeit. Allerdings überschatteten massive
Schwierigkeiten diese kleinen Erfolge, urteilte die Stiftung. In Sachen
Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum oder Staatsverschuldung sei keine
nachhaltige Besserung in Sicht. |
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Reutlinger General-Anzeiger 2006
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