»Sozialkosten
steigen überproportional« (GEA 5.1.04)
REUTLINGEN.
»Seit Jahren steigen auch im Landkreis Reutlingen die Sozialkosten überproportional
und lähmen mehr und mehr andere Kreisaufgaben. Bittere Realität« sei,
dass diese »Kostenmisere« die Kreisumlage »unaufhörlich« steigen
lasse, die Städte und Gemeinden deswegen bereits »am Rand des
finanziellen Kollapses stehen«, heißt es in einer Pressemitteilung der
Freien Wähler-Fraktion im Kreistag.
Vor
diesem »fatalen Hintergrund« habe die Kreistagsfraktion der FWV
zusammen mit CDU und FDP bei der Verabschiedung des Haushalts für 2004
die Reduzierung der Sozial- und Jugendhilfeansätze durchgesetzt. Der
FWV ging es dabei keinesfalls nur um eine »kosmetische« Korrektur von
Planzahlen, sondern vor allem auch um einen Auftrag an die
Kreisverwaltung, »energisch eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme
sozialer Leistungen so weit gehend wie möglich zu unterbinden«.
Experten
seien sich sicher, behauptet FWV-Sprecher Otto Bauer, »dass es in
Baden-Württemberg noch viel unentdeckten Sozialleistungsbetrug gibt,
möglicherweise bis zu 15 Prozent«. Nicht nachvollziehbar sei auch,
warum der Landkreis Reutlingen bei der Jugendhilfe seit langem eine »negative
Spitzenreiterposition« innehabe und deshalb quasi unter »hausgemachten«
Kostenüberhöhungen leide.
Früh habe die Kreistagsfraktion der FWV kritisiert, dass die übermäßige
Sozialkostenbelastung der Kommunen größtenteils auf neue
Leistungsgesetze des Staates und vor allem auf dessen Versäumnis zurückgehe,
das Konnexitätsprinzip einzuführen, wonach derjenige, der neue
Aufgaben zuweise, auch für die Gegenfinanzierung zu sorgen habe.
Um an die mehrheitlich getroffenen Haushalts-Entscheidungen und zu den
FWV-Aussagen weitere »Nägel mit Köpfen« zu bekommen, sei jetzt beim
Landrat beantragt worden, dem Kreistag in seiner ersten Sitzung 2004
Vorschläge über »konkrete und Erfolg versprechende Maßnahmen in der
eigenen Verwaltung und gegenüber den Delegationsgemeinden zu
unterbreiten, die ungerechtfertigte Inanspruchnahmen von
Sozialhilfeleistungen so unterbinden und die Jugendhilfekosten so
senken, dass die vom Kreistag bei der Verabschiedung des Haushalts für
das Jahr 2004 beschlossenen Ausgabenbegrenzungen verlässlich
eingehalten werden.«
Außerdem fordere die FWV vom Landkreis eine Initiative, über die
kommunalen Dachverbände bei Bund und Land auf die Einführung des
Konnexitätsprinzips (wer neue Aufgaben erteilt, muss auch für die
Finanzierung gerade- stehen) und eine Reformierung von Leistungsgesetzen
einzuwirken. Zudem möchte die FWV erreichen, dass Bund und Land eine
Mitfinanzierung der »gesamtgesellschaftlichen Aufgabe
Eingliederungshilfe für Behinderte« anerkennen. Wenn es dazu nicht
rasch komme, würden die Kommunen vollends finanziell ruiniert werden. (em)