Kein Gegenentwurf, eher Korrektur VON JÜRGEN KEMPF ( 9.1.04)GEA
Etat der Stadt - Auch die Grünen sind bereit Vermögen zu veräußern, um die laufenden Ausgaben abzudecken
REUTLINGEN. Von einem Gegenentwurf kann man bei den Anträgen der Grünen zum Etat der Stadt diesmal nicht sprechen, auch wenn ihre Forderung nach Auflösung der Stadthallenrücklage nicht zum erstenmal Teil ihrer Vorschläge ist. Dies räumten ihre Sprecher bei einem Pressegespräch gestern ein. »Es ist ein Abwehrkampf, um das Schlimmste zu verhindern«, sagte Heide Schnitzer.
Konkret
bedeutet dies, dass eine Vielzahl von kleinen Kürzungen bei Sach-, Betriebs-
und Personalkosten akzeptiert werden, die Grünen jedoch politisch gravierende
Dinge, die in der Streichliste vorgesehen sind, verhindern wollen. Das fängt an
bei den Kürzungen für Bibliothek und Volkshochschule, geht über
Kindertageseinrichtungen und Schulen weiter zu Museen und Jugendeinrichtungen.
Diese Etatposten sollen im bisherigen Umfang erhalten bleiben. Und auch bei der
kulturellen und sozialen Infrastruktur, den Vereinen, Verbänden und Initiativen
soll nach dem Willen der Grünen nicht gestrichen werden.
Gestaltung zurückgestellt
»Die Möglichkeiten der Gestaltung müssen wir in diesem Jahr zurückstellen«,
sagte Rainer Buck bei der Pressekonferenz. Aber man dürfe jetzt nicht das Netz
sozialer und kultureller Dienstleistungen zerschlagen und damit erhebliche
Nachteile für die Bürgerinnen und Bürger in Kauf nehmen. »Die Einschnitte dürfen
nicht so tief gehen, dass etwas unwiederbringlich verloren geht«, unterstrich
Buck. Und so müssten auch die Grünen in den sauren Apfel beißen und seien
bereit Vermögen zu veräußern, um die laufenden Ausgaben abzudecken.
Dadurch jedoch, dass die Grünen zahlreiche im Entwurf vorgesehenen Kürzungen
zurücknehmen wollen, muss - unbeschadet der Tatsache, dass sie Mehreinnahmen
durch den Kompromiss im Vermittlungsausschuss und auch beim Betrieb der Parkhäuser
einkalkuliert haben - diese »negative« Zuführung um weitere 900 000 Euro erhöht
werden.
Mitgetragen wird von den Grünen auch die Anhebung der Gewerbe- und Grundsteuer.
Christoph Joachim übte allerdings Kritik an der bisherigen Politik. Die Grünen
hätten seit Jahren eine maßvolle Anhebung der Steuersätze gefordert. Wäre
man diesem Ansinnen gefolgt, dann hätte man jetzt nicht gleich um 30 Prozent
erhöhen müssen. Joachim verwies auch auf die Entwicklung der Verschuldung, die
in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen sei. Eine Lösung biete man
durch die Auflösung der Stadthallenrücklage an, unterstrich Thomas Ziegler.
Dadurch könne die Verschuldung sogar gesenkt werden.
Und dass die Grünen auch bereit sind, um »Peanuts« zu kämpfen, bewies der
Hinweis von Heide Schnitzer: Der Oberbürgermeisterin soll der Kauf einer
Sitzgruppe samt Glastisch im Wert von 7 500 Euro gestrichen werden. (GEA)