![]() Die deutschsprachige Ausgabe der französischen Monatszeitung für internationale Politik |
Ausgabe vom 17.5.2002 |
![]() |
|
![]()
Neue
Privatisierungliste
Vier
Milliarden Euro Erlöse möglich -
Döring eröffnet Debatte
|
Von unserer
(GEA)Stuttgarter Redaktion
S t u t t g a r t. (bw) Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hat im Alleingang ein Gutachten zu den Privatisierungsmöglichkeiten des Landes in Auftrag gegeben. Erst nachdem die Ergebnisse am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, wollte er diese auch dem Koalitionspartner CDU übergeben. Sein Vorgehen sieht er von der Koalitionsvereinbarung gedeckt, in der festgeschrieben ist, dass Mitte 2002 über weitere Veräußerungen von Landes-beteiligungen nachgedacht wird. Mehr als 60
Seiten ist das Papier stark, das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Ernst&Young in nur
vier Wochen erstellt hat. Die Landesbeteiligungen
- von Toto/Lotto bis zu den
Unikliniken, vom Flughafen Stuttgart bis zum
Blühenden Barock in Ludwigsburg werden
in drei Kategorien eingeteilt: sofort veräußerbar,
bedingt veräußerbar und vermutlich
nicht veräußerbar. Erlösen lasse sich
laut Gutachter durch Verkäufe der Beteiligungen
knapp vier Milliarden Euro. Auf
der Liste sofort veräußerbarer Beteiligungen stehen
Rothaus‑Brauerei, Fernwärmegesellschaft, BW‑Bank, Südwestdeutsche
Salzwerke, Reederei Schwaben, Gasversorgung GVS, Schwäbische Hüttenwerke,
ekz bibliotheksservice (Reutlingen) Hohenzollerische
Landesbahn, Staatsanzeiger oder Akademie für Lehrerfortbildung. |
.
Als bedingt veraeußerbar werden unter anderem die von Döring für einen
Verkauf favorisierten Universitätskliniken. die Stuttgarter Messe-
und Kongreßgesellschaf t und die Beteiligung
an der Klassenlotterie eingeschätzt. Wenig Verkaufschancen räumen die
Gutachter hingegen den Beteiligungen an den Flughäfen in Stuttgart. Mannheim
und Friedrichshafen sowie an verschiedenen Museen und Instituten ein.
»Wir verstehen das Gutachten als Vorlage für eine vernünftige
Diskussion«. erklärte Döring, der zum jetzigen Zeitpunkt » bewusst
keine Zahlen nennen will Bis zur Sommerpause solle die Koalition ihr
weiteres Vorgehen festlegen.
In diesem Zusammenhang forderte er die
CDU auf, »unvoreingenommen“ vorzugehen. Er wisse, dass die Gutachter
auch Beteiligungen als veräußerbar genannt hätten, die strittig oder in
der politischen Debatte bereits abgelehnt seien. »Aber ich erwarte
dennoch. dass wir uns mit
allem befassen“ sagte Döring weiter und nannte erneut konkret das Thema
Unikliniken. Er koenne
allen, die gegen eine
Privatisierung seien, einen Blick
nach Leipzig empfehlen. Dort seien sowohl die Belange der
Mitarbeiter als auch die Bereiche Forschung und Lehre zufriedenstellend
geregelt worden. |
![]()
|
Der
stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Landes
Baden-Württemberg, Walter Döring, reagierte zufrieden auf die Nachricht
aus dem Finanzministerium, dass dort gründlich an der Frage der
Privatisierung von Landesbeteiligungen gearbeitet werde.
Der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes
Baden-Württemberg, Walter Döring, hat heute in Stuttgart seine Forderung bekräftigt,
die vier Universitätskliniken und zehn Landeskrankenhäuser in Baden-Württemberg
zu privatisieren bzw. eine neue Aufgabenteilung zwischen Land und privaten
Investoren in der Krankenhausfinanzierung einzugehen. Quelle: Wirtschaftsministerium, 26.11.2001 |
|
![]()
Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 08.06.2002
Sparpläne verursachen im Rathaus gewaltigen Aufruhr
Bürgermeister Murawski schlägt Kürzungen im Sozialbereich und Privatisierung
des Klinikums vor - OB stoppt Teile des Konzeptes
51 Millionen Euro - das ist die Sparvorgabe, die der Gemeinderat der
Stadtverwaltung bis 2005 gemacht hat. Bürgermeister Klaus-Peter Murawski hat
jetzt eine "Ideensammlung" vorgelegt, die für viel Wirbel sorgt. Die
Gewerkschaft ist bereits auf den Barrikaden.
Von Thomas Faltin
Hinter verschlossenen Türen muss es im Rathaus in den vergangenen Wochen
mächtig gekracht haben: als Teil der Verwaltungsreform hat Bürgermeister
Klaus-Peter Murawski (Grüne) sein Sparkonzept präsentiert. Und manche seiner
Kollegen haben dafür sehr deutliche Worte gefunden. Auf Murawskis Liste
stehen rund 15 Punkte - alle Ämter und Eigenbetriebe wären betroffen.
So könnte laut Liste der städtische Vollzugsdienst ganz abgeschafft und
durch Ehrenamtliche ersetzt werden, wodurch 50 Stellen eingespart würden.
Die Philharmoniker sollen privatisiert werden oder mit anderen Orchestern
fusionieren, die Kur- und Bäderbetriebe könnten die Wartungsarbeiten nach
außen vergeben und so Stellen abbauen. Im Tiefbauamt stünden durch
Privatisierung und Outsourcing 168 Stellen zur Disposition.
Deutliche Einschnitte müssten, wenn die Pläne umgesetzt würden, auch die
sozialen und gesundheitlichen Bereiche hinnehmen. Im Gesundheitsamt fielen
21 Stellen weg, indem man Einschulungsuntersuchungen und Mütterberatung
abschaffte, so die Liste. Die Hilfen zur Erziehung im Jugendamt könnten neu
organisiert und budgetiert werden, was bis zu 14 Millionen Euro bringen
könnte. Im Sozialamt seien zwischen 25 und 75 Mitarbeiter verzichtbar. Und
durch Streichungen in der Sozialhilfe, in der Pflege und in der Krankenhilfe
könnten zudem zwischen 10 und 22 Millionen Euro eingespart werden.
Ein weiterer höchst umstrittener Punkt im Einsparkonzept Murawskis ist die
ins Auge gefasste Privatisierung des Klinikums Stuttgart. Möglich sei, so
heißt es im Papier, der vollständige Verkauf der fünf städtischen
Krankenhäuser oder wahlweise eine GmbH-Lösung, bei der die Stadt eine
Sperrminorität von 25,1 Prozent hielte. Der einmalige Privatisierungserlös
läge bei bis zu 80 Millionen Euro, der jährliche Einspareffekt um die zwei
Millionen Euro.
Diese Idee der Privatisierung scheint aber bereits wieder vom Tisch zu sein.
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster will diese Sache nicht weiterverfolgen -
vorerst zumindest. Denn dass der OB dieser Sache nicht grundlegend abgeneigt
ist, hatte sich vor einigen Monaten gezeigt: Da war er selbst mit ähnlichen
Überlegungen vorgeprescht, musste dann aber aufgrund des Gegenwindes schnell
zurückrudern. Dennoch birgt gerade dieser Teil des Konzeptes weit reichenden
politischen Zündstoff. Denn Klaus-Peter Murawski soll nach gegenwärtiger
Planung 2003 der Nachfolger Dieter Blessings als Krankenhausbürgermeister
werden. Der Klinikums-Geschäftsführer Reinhard Schwarz hat nie einen Hehl
daraus gemacht, dass er die Privatisierung will, Blessing hat sich stets
dagegen gesperrt. Mit Murawski als Bürgermeister würden die Karten ganz neu
gemischt.
Allerdings: In einem Brief an den Gemeinderat hat Murawski jetzt versucht,
dem Konzept die Brisanz zu nehmen. Er führe erstens nur aus, was der
Gemeinderat ihm auferlegt habe. Zweitens handele es sich bei dem Papier
lediglich um eine "verwaltungsinterne Ideensammlung", die allenfalls
als
Ausgangspunkt für eine umfassende Diskussion anzusehen sei. Drittens betonte
er, dass in einer Sitzung der Bürgermeister am 16. Mai bereits wieder eine
Reihe von Ideen verworfen worden sei. Die Gewerkschaft Verdi lässt sich von
der Erklärung aber nicht besänftigen. Das Sparkonzept könne gravierende
Auswirkungen auf Beschäftigte und Bürger haben - am Montag will Verdi der
Stadt deshalb in einer Pressekonferenz den Marsch blasen.
08.06.2002 - aktualisiert: 08.06.2002, 06:35 Uhr
![]()
|
Experten beleuchten die wesentlichsten Aspekte für die Sicherung der Wasserversorgung „Die
Kommunen sollen auch in Zukunft die Verantwortung für die
Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg tragen.
Die bestehenden Wasserversorgungsstrukturen müssen jedoch optimiert
werden, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte
Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller bei der Vorstellung des
Leitbilds „Zukunftsfähige Trinkwasserversorgung Baden-Württemberg“
am Donnerstag (1. März 2001) vor der Presse in Stuttgart. Der
Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Dr. Erhard Klotz, begrüßte die
vom Umwelt- und Verkehrsministerium angestoßene Initiative, gemeinsam
mit Experten aus den von der Wasserversorgung berührten Bereichen die
wesentlichsten Aspekte für die Sicherung der Wasserversorgung zu
beleuchten. “Die erarbeiteten Grundsätze werden von den beteiligten
Experten gemeinsam getragen. Das Leitbild stellt deshalb eine wichtige
Grundlage für die Argumentation der Kommunen in der aktuellen
Diskussion über die Liberalisierung des Wassermarktes dar.“ Besonders
betroffen von dieser Diskussion seien die vielen kleinen
Wasserversorgungsunternehmen des Landes. „Das Leitbild ist auch eine
gute Grundlage für die Weiterentwicklung der
Wasserversorgungsstrukturen in Baden-Württemberg und für die weitere
Optimierung unserer kommunalen Wasserversorgungsbetriebe“, lautete das
Fazit des Hauptgeschäftsführers des Gemeindetags, Dr. Christian
Steger. Quelle:
Ministerium für Umwelt und Verkehr
|
![]()
Zweckverband Landeswasserversorgung
43. Verbandsversammlung
Stuttgart 18. Juli 2001
Presse-Information
Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion
Ziel der Transaktion
Die Landeswasserversorgung (LW) plant, für ihre Trinkwasserversorgungsanlagen Fassungsanlagen, Wasserwerke, Haupt- und Zubringerleitungen - mit einem Marktwert von rund 1,4 Mrd. DM eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion durchzuführen. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer Sonderfinanzierung, weiche im kommunalen Bereich bundesweit bereits seit rund 10 Jahren eingesetzt wird. In Baden-Württemberg haben sich bisher die Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Ulm und Konstanz, sowie der Landkreis Böblingen und der Alb-Donau-Kreis dieses Finanzierungsinstrumentes bedient.
Das Ziel der Transaktion ist es, zugunsten der LW einen sogenannten NettoBarwertvorteil in Höhe von ca. 70 Mio. DM zu erreichen. Dies wird dadurch möglich., dass ein US-amerikanischer Investor, die First Union Bank, in den USA Vorteile über Steuerstundungseffekte erzielt. Es handelt sich dabei also nicht um ein Steuersparmodell. Einen Großteil der Steuervorteile gibt der Investor dann an seinen deutschen Vertragspartner, in diesem Fall die LW ' weiter. Der Barwertvorteil unterliegt bei der LW der Körperschaftssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag, so dass der Landeswasserversorgung ausgehend vom vorstehend genannten Betrag ca. 50 Mio. DM verbleiben.
Dieser Betrag steht unmittelbar nach Zeichnung der Transaktionsverträge, voraussichtlich im September 2001, zur Verfügung. Ein Zins- und Währungsrisiko besteht bei einem ungestörten Vertragsablauf nicht, da alle Zahlungsströme in US-Dollar geleistet werden und die Gelder über die gesamte Vertragsdauer festverzinslich angelegt werden.
Seitens der LW ist geplant, den Erlös der Transaktion zur Finanzierung ihrer Investitionen zu nutzen und somit langfristig den Bestand der LW-Anlagen zu sichern. Sie vermeidet dadurch die Aufnahme entsprechender Kredite und die damit verbundenen Schuldzinsen. Dies kommt ihren Kunden bzw. den Bürgerinnen und Bürgern in Form von niedrigeren Wasserpreisen zugute.
Zweckverband Landeswasserversorgung
43. Verbandsversammlung
Stuttgart 18. Juli 2001
Presse-Information
Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion
Ziel der Transaktion
Die Landeswasserversorgung (LW) plant, für ihre Trinkwasserversorgungsanlagen Fassungsanlagen, Wasserwerke, Haupt- und Zubringerleitungen - mit einem Marktwert von rund 1,4 Mrd. DM eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion durchzuführen. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer Sonderfinanzierung, weiche im kommunalen Bereich bundesweit bereits seit rund 10 Jahren eingesetzt wird. In Baden-Württemberg haben sich bisher die Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Ulm und Konstanz, sowie der Landkreis Böblingen und der Alb-Donau-Kreis dieses Finanzierungsinstrumentes bedient.
Das Ziel der Transaktion ist es, zugunsten der LW einen sogenannten Netto-Barwertvorteil in Höhe von ca. 70 Mio. DM zu erreichen. Dies wird dadurch möglich., dass ein US-amerikanischer Investor, die First Union Bank, in den USA Vorteile über Steuerstundungseffekte erzielt. Es handelt sich dabei also nicht um ein Steuersparmodell. Einen Großteil der Steuervorteile gibt der Investor dann an seinen deutschen Vertragspartner, in diesem Fall die LW ' weiter. Der Barwertvorteil unterliegt bei der LW der Körperschaftssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag, so dass der Landeswasserversorgung ausgehend vom vorstehend genannten Betrag ca. 50 Mio. DM verbleiben.
Dieser Betrag steht unmittelbar nach Zeichnung der Transaktionsverträge, voraussichtlich im September 2001, zur Verfügung. Ein Zins- und Währungsrisiko besteht bei einem ungestörten Vertragsablauf nicht, da alle Zahlungsströme in US-Dollar geleistet werden und die Gelder über die gesamte Vertragsdauer festverzinslich angelegt werden.
Seitens der LW ist geplant, den Erlös der Transaktion zur Finanzierung ihrer Investitionen zu nutzen und somit langfristig den Bestand der LW-Anlagen zu sichern. Sie vermeidet dadurch die Aufnahme entsprechender Kredite und die damit verbundenen Schuldzinsen. Dies kommt ihren Kunden bzw. den Bürgerinnen und Bürgern in Form von niedrigeren Wasserpreisen zugute.
2
Ablauf der Transaktion
Im Rahmen eines Hauptmietvertrages wird die LW ihre Fernwasserversorgungsanlagen auf die Dauer von voraussichtlich 99 Jahren an einen US-Trust vermieten. Zeitgleich werden dieselben Anlagen auf die Dauer von voraussichtlich 29 Jahren zurückgemietet. Nach Ablauf des Rückmietvertrages, also nach 29 Jahren, hat die LW das alleinige und uneingeschränkte Recht, den Hauptmietvertrag zu beenden. Dabei bleibt die LW sowohl nach dem amerikanischen wie auch nach dem deutschen Recht Eigentümer aller Anlagen. Zugleich behält die Landeswasserversorgung das uneingeschränkte wirtschaftliche Nutzungsrecht für die gesamte Laufzeit des Rückmietvertrages.
Beschlussfassung durch die Verbandsversammlung
Das geplante Vorhaben der Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion wird seitens der LW-Geschäftsleitung den Verbandsmitgliedern der Landeswasserversorgung am 17. Juli 2001 im Rahmen einer außerordentlichen Verbandsversammlung vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt.
Das Abstimmungsergebnis stellt sich wie folgt dar. Von den insgesamt 600 Stimmen der LW-Verbandsversammlung sind 569 Stimmen anwesend. Gegen das geplante Transaktionsvorhaben werden 93 Stimmen abgegeben, es gibt 9 Enthaltungen, 467 Stimmen entscheiden sich für das Vorhaben. Damit stimmen die Verbandsmitglieder der LW der Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion zu.
1
Bernhard Röhrle / Pressesprecher
18. Juli 2001
Zweckverband Landeswasserversorgung
Schützenstraße 4
70182 Stuttgart
Tel.-Nr.- 0711 / 2175 - 113
Fax- 0711 / 2175 - 202
E-Mail- roehrle.b@lw-online.de