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Sonia Mikich: "Willkommen bei Monitor - wir bringen den
Hintergrund.
Hier einige unserer Themen:
 | Die Zone ist wieder da, wie kommen im Osten die neuen Förderungspläne
an?
 | Krieg um Trinkwasser - das blaue Gold ist keine Ware
 | Tödliche SEK-Übung - warum musste Alexander S. sterben? |
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Jetzt also soll er wieder kommen: Der Aufschwung Ost. Mit staatlich
bezuschussten Billig-Jobs will Manfred Stolpe die Arbeitslosigkeit in den
neuen Bundesländern bekämpfen. Nicht die Arbeitgeber sollen ihren Beschäftigten
angemessene Löhne zahlen, sondern der Staat greift zur
Subventions-Spritze, mal wieder. Willkommen im Billiglohnland Neues
Deutschland.
Dumping-Löhne sind aber nicht nur ein Zukunfts-Projekt für das
Versuchslabor Ost. Schon jetzt arbeiten viele Menschen acht Stunden, für
etwas mehr als 500 Euro brutto. Und zwar Vollzeit. Das gibt es nicht in
Deutschland? 12 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten können kaum die
eigene Existenz sichern. Über zwei Millionen Arbeitnehmer leben von
Armutslöhnen! Dabei bedeuten anständige Löhne auch Menschenwürde und
Stolz.
Und wenn Unternehmer das ihren Mitarbeitern nicht garantieren, dann
muss ein gesetzlicher Mindestlohn her, und zwar nicht nur für den Osten.
So argumentieren Kim Otto und Markus Zeidler."
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| Eigentlich müsste es Dagmar Kellner aus Erfurt ganz gut
gehen. Sie hat eine abgeschlossene Lehre, einen Vollzeit-Job und sie wird
nach Tarif bezahlt. Doch genau hier beginnt das Problem. Für eine Stunde
Haarschneiden gibt es in Ostdeutschland 3,31 Euro Brutto, macht am
Monatsende gerade einmal 360 Euro netto. |
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| Dagmar Kellner, Friseuse: "Also, mit meinem
Lohn komme ich eigentlich kaum zurecht. Mit den 360 Euro, die ich jetzt
raus hab, kann man gar nicht über die Runden kommen. Deswegen habe ich
jetzt Wohngeld beantragt. Denk mal so um die 70, 80 Euro, und dann wird's
dann schon etwas besser. Aber wie gesagt, es ist kaum was übrig,
eigentlich bleibt gar nichts übrig. Und wenn ich jetzt Sozialhilfe
beantragen würde, würde ich definitiv mehr kriegen, sage ich mal, wegen
den ganzen Zusatzleistungen, die man kriegt. Und deswegen gehe ich
eigentlich nur noch an die Arbeit, weil ich Spaß daran hab." |
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| Tariflöhne auf Sozialhilfe-Niveau. Jobs, mit denen es
nicht möglich ist, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. So wie
Dagmar Kellner geht es zwölf Prozent der deutschen Beschäftigten. Sie
arbeiten Vollzeit und erhalten dennoch nur einen Lohn unterhalb der
Armutsgrenze. Und nicht nur in Ostdeutschland drohen es mehr zu werden,
wenn der Staat nicht gegen steuert. |
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| Professor Gerhard Bosch, Universität Duisburg:
"Löhne zwischen drei und sechs Euro sind leider nicht mehr die
Ausnahme, man findet sie auch in Westdeutschland. Etwa bei Hilfsarbeitern,
bei Wachdiensten oder im Verkaufsbereich. Solche Löhne werden sich auch
weiter Ausbreiten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Gewerkschaften sind
schwächer geworden. Sie können nicht mehr einen Mindestlohn für alle
durchsetzen. Durch die Osterweiterung der Europäischen Gemeinschaft
kommen zunehmend billige Arbeiter nach Deutschland. Um schließlich wird
die Zumutbarkeitsregelung geändert. Ab 2005 müssen Arbeitslose Löhne
30% unter Tarif akzeptieren. Alles das spricht dafür, dass wir einen
gesetzlichen Mindestlohn brauchen." |
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| Den gibt es in Großbritannien seit 1999. Seitdem sind
Armutslöhne in britischen Unternehmen wie diesem Geschichte. 6,51 Euro
bekommt Deborah Brooker brutto die Stunde und wie sie profitieren vor
allem Frauen von dem Mindestlohn. Denn in den traditionellen
Niedrig-Lohn-Branchen sind vor allem Arbeitnehmerinnen beschäftigt.
Dumping-Löhne - wie sie vor fünf Jahren noch gezahlt wurden - sind für
Deborah Brooker heute unvorstellbar." |
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| Deborah Brooker, Friseuse: "Seit es den
Mindestlohn gibt, bekommen wir deutlich mehr. Früher haben manche für
weniger als 50 Euro die Woche gearbeitet. Es ist schon deutlich mehr
geworden." |
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| Zwei Friseusen - zwei unterschiedliche
Systeme: Großbritannien mit einem gesetzlich garantierten Mindestlohn und
Deutschland ohne gesetzliche Regelung. Während die britische Friseuse
6,51 Euro pro Stunde verdient und von ihrem Job leben kann, erhält ihre
ostdeutsche Kollegin lediglich 3,31 Euro und muss deshalb staatliche Hilfe
- nämlich Wohngeld - in Anspruch nehmen.

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| Der Mindestlohn schützt Deborah Brooker und ihre
Kolleginnen vor dem Abstieg in die Armut. Auch gut für den Staat. Er muss
seit Einführung des Mindestlohns weniger Sozialhilfe zahlen. Gleichzeitig
führten die höheren Löhne nicht zu den erwarteten Firmenpleiten. Denn
die Lohnkosten stiegen für alle Unternehmen gleichermaßen. Deshalb wurde
ein Friseurbesuch überall teurer. Und die Kunden akzeptierten die
gestiegenen Preise. |
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| Paul Sellers, Trade Union Congress: "Der
Mindestlohn brachte der Wirtschaft keinerlei negativen Effekte. Einige
Kritiker hatten befürchtetet, dass Jobs verloren gehen und die Inflation
steigt. Im Gegenteil: Seit es den Mindestlohn gibt, sind 1 Millionen neue
Jobs entstanden. Die Inflation ist sehr niedrig. Und mehr als 1 Millionen
Beschäftigte profitieren vom Mindestlohn - ohne jeglichen
wirtschaftlichen Schaden." |
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In Großbritannien wird regelmäßig überprüft, ob die Beschäftigten
mit dem Mindestlohn noch angemessen leben können. Gegen Armut und
Lohn-Dumping ist der gesetzliche Mindestlohn ein wirksames Instrument.
Auch in vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten ist er längst eine
Selbstverständlichkeit:
| Irland |
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1.073 Euro |
| Frankreich |
1.173 Euro |
| Belgien |
1.185 Euro |
| Niederlande |
1.265 Euro |
| Luxemburg |
1.369 Euro |
Doch in Deutschland wehren sich die Arbeitgeber.
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| Heribert Jöris, Hauptverband des Deutschen
Einzelhandels: "Ein einheitlicher staatlicher Mindestlohn für
alle Branchen hinweg würde in Deutschland zur Vernichtung von Arbeitsplätzen
beitragen. Wir haben viele Tätigkeiten gerade im Bereich der gering
qualifizierten Tätigkeiten, die also Anlernen oder ohne Lehre ausgeübt
werden können. Wo also staatliche Mindestlöhne in Höhe von 6 oder 7
Euro weitaus überhöht wären. Und derartige Tätigkeiten würden dann in
Deutschland nicht mehr angeboten werden können bzw. Arbeitsplätze würden
abgeschafft werden." |
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| Professor Gerhard Bosch, Universität Duisburg:
"Länder mit einem ähnlichen ökonomischen Entwicklungsniveau wie
Deutschlands zahlen Mindestlöhne zwischen sechs und acht Euro. Die Beschäftigungsbilanz
dieser Länder ist ausgezeichnet. Schauen wir zum Beispiel in die
Niederlande und Großbritannien, dort ist nicht Beschäftigung zurückgegangen
sondern sie hat sehr stark zugenommen. Die Armutsquote ist zurückgegangen,
die Familien können ihren Kindern einen guten Lebensstandard und eine
gute Erziehung bezahlen. Alles das zeigt, dass Mindestlöhne ökonomisch
nicht schädlich und sozialpolitisch höchst sinnvoll sind." |
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Eine Erkenntnis, die sich in Deutschland nur langsam durchsetzt. Trotz
guter Erfahrungen in der Bau-Branche. Hier nämlich gibt es längst einen
gesetzlichen Mindestlohn. Der ist für alle Unternehmer wie Helmut
Echterhoff verpflichtend, egal ob sie Tarif gebunden sind oder nicht.
Gut für Echterhoffs Mitarbeiter: Sie bekommen mindestens 8,95 Euro die
Stunde. Gut aber auch für den Firmen-Chef selbst. Denn Dumping-Löhne
rechnen sich nicht.
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| Helmut Echterhoff, Bau-Unternehmer: "Die Einführung
und Einhaltung eines Mindestlohns ist ein sehr wichtiges Instrument auch für
die Unternehmen und die Unternehmer. Denn der Lohn ist heute ein
wesentlicher Preisbestandteil. Und bei einem Lohn-Dumping würde die
Preisspirale sich nach unten drehen. Und das würde früher oder später
dazu führen, dass deutsche Mitarbeiter abgebaut werden müssten. Dieser
Abbau der Mitarbeiter ist nach deutschem Arbeitsrecht sehr teuer und würde
möglicherweise oder in vielen Fällen zu Insolvenzen der Unternehmen führen." |
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| Den Beschäftigten auf dem Bau ist die letzte
EU-Erweiterung noch in schlechter Erinnerung. Damals strömten Griechen
und Portugiesen auf die deutschen Baustellen, um für Hungerlöhne zu
arbeiten - und das ganz legal. Inzwischen schützt der branchen-eigene
Mindestlohn die Männer vom Bau. Zwar kommt es immer wieder zu illegalen
Dumping-Löhnen - aber dagegen kann jetzt strafrechtlich vorgegangen
werden. Doch trotz guter Erfahrungen auf dem Bau und dem Ausland findet
der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland kaum Befürworter. Arbeitgeber
zahlen lieber Billig-Löhne und die SPD-Bundestagsfraktion setzt in der
Frage Mindestlohn auf die traditionelle Gewerkschaftslinie. |
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| Klaus Brandtner, SPD-Bundestagsfraktion: "Der
überwiegende Teil der Gewerkschaften ist stark genug, um ein
ausreichendes Lohnniveau durchzusetzen. Insgesamt gesehen, sehr dafür
eintreten, dass wir die Tarif-Autonomie stärken und sie nicht durch
gesetzliche Vorgaben schwächen." |
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| Markus Kurth, Bundesfraktion Bündnis 90/Grüne:
"Die Aussage das die Gewerkschaften überall existenzsichere Löhne
durchsetzen können, die trägt doch nicht, wenn man sich die Wirklichkeit
in bestimmten Branchen anguckt. Zum Beispiel im Wachschutz oder im
Gastronomiegewerbe, wo ja schon heute Löhne von drei, vier, fünf Euro an
der Tagesordnung sind. Und davon kann man nicht leben. Insbesondere wenn
man eine Familie ernähren muss. Man muss aber von seiner Hände Arbeit
leben können und wenn das nicht mehr gesichert ist, dann ist der
Gesetzgeber gefordert eine Grenze einzuziehen in Form eines gesetzlichen
Mindestlohns." |
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| Stattdessen reißt die Regierung bestehende Grenzen ein. Ab
dem kommenden Jahr ist eine Arbeit auch dann zumutbar, wenn sie 30 Prozent
unter Tarif bezahlt wird. Für eine Friseuse in Ostdeutschland bleiben
dann am Ende nicht mehr als 270 Euro übrig. Nicht in der Woche, sondern
im Monat. |
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