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10.01.2005
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| Kommentar |
| Daniel Behruzi |
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| Ver.di bleibt sich treu |
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| Lohnverzicht bei BVG abgesegnet |
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Die tarifliche Abwärtsspirale hat sich um eine
weitere Windung gedreht. Einem Bericht des Tagesspiegel vom
Sonntag zufolge hat die Berliner ver.di-Spitze nun auch in ihrem
kampfstärksten Bereich, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG),
einer drastischen Kürzung der Löhne und Gehälter zugestimmt.
Nach der Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld beim
Krankenhauskonzern Vivantes sowie Gehaltskürzungen von acht bis
zwölf Prozent bei verkürzter Arbeitzeit für Landesbedienstete
nun Ähnliches im Nahverkehr: Auch hier sollen die Löhne um bis
zu zwölf Prozent sinken, »zum Teil« ausgeglichen durch kürzere
Arbeitszeiten. Allerdings soll die Arbeitsdichte durch veränderte
Dienstpläne zugleich erhöht werden. Insgesamt werden den Beschäftigten
50 Millionen Euro genommen. Noch vor wenigen Wochen hatte die
Dienstleistungsgewerkschaft in ihrer BVG-Betriebszeitung 25
Millionen als maximales Zugeständnis bezeichnet.
Mehr als ein Viertel der Fahrten kann nach dem ausgehandelten
Spartentarifvertrag an Dritte vergeben werden – darunter die
BVG-Tochter Berlin Transport GmbH, deren 1000 Beschäftigte für
weit weit weniger Geld arbeiten als ihre Kollegen in der
Muttergesellschaft. Als Voraussetzung für die Unterzeichnung des
Vertrags fordert ver.di vom SPD-PDS-Senat ein schriftliches
Bekenntnis zum Fortbestand der BVG als Anstalt öffentlichen
Rechts und den Verzicht auf weitere Ausgründungen. Auch
betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen sein. Ein Ende
des Personalabbaus – seit Anfang der 90er hat sich die Zahl der
Beschäftigten bei gleichem Verkehrsaufkommen mehr als halbiert
– bedeutet die Regelung nicht. Zudem sind derartige
Versprechungen, insbesondere bei wechselnden Parlamentsmehrheiten,
nicht viel wert.
Das sollten auch die ver.di-Funktionäre wissen, die mit diesem
Abschluß ihre Linie des kampflosen Verzichts konsequent
fortsetzen. Das Argument, mit dem Spartentarif die einheitliche
Entlohnung im Nahverkehr – deren Unterlaufen die Gewerkschaft
zuvor selbst abgesegnet hat – wiederherzustellen, zieht nicht.
Kein Privatunternehmen wird deshalb auch nur einen Cent mehr
bezahlen. Das zeigt u.a. die Erfahrung mit dem Spartentarif in
Nordrhein-Westfalen. Wenn diese »Strategie« langfristig überhaupt
zu einer Angleichung führt, dann auf dem untersten Niveau.
Die Spitzenfunktionäre von ver.di haben sich dafür entschieden,
die Zerschlagung erkämpfter Tarife »mitzugestalten«. Ihre
eigenen Schäfchen haben sie ohnehin im trockenen. Wem die fürstlichen
Gehälter der oberen Funktionärsebene nicht reichen, kann immer
noch – quasi als Belohnung – in die Wirtschaft wechseln. So
wie der einstige ÖTV-Sekretär und heutige BVG-Personalvorstand
und -Verhandlungsführer Hilmar Schmidt-Kohlhas können sie Lohnkürzungen
dann von der anderen Seite des Verhandlungstischs aus durchsetzen. |
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