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Die jüngste Wirtschaftskrise hat die Erosion regulärer Arbeitsverhältnisse
weiter beschleunigt. Mehr als jedes dritte bei der Bundesagentur für Arbeit
gemeldete Stellenangebot kam im Juni von einer Leiharbeitsfirma. Dies geht aus
einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke
hervor. Demnach haben sich die Jobangebote in der Leiharbeit seit Jahresanfang
mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen lediglich um ein
Drittel zulegte. Lag der Anteil der Leiharbeit an allen neu gemeldeten offenen
Stellen– im »ersten« (ungeförderten) Arbeitsmarkt– im Januar noch bei 26
Prozent, stieg er bis einschließlich Juni auf 35 Prozent. Im Gesamtbestand der
bei der BA registrierten Stellenangebote machte die Leiharbeit im Juni knapp
31 Prozent aus.
»Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen«, sagte der stellvertretende
IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel der Berliner Zeitung (Mittwochausgabe).
»Leiharbeit vermehrt sich geradezu rasant und verdrängt mehr und mehr
Stammbeschäftigung.« Die Unternehmen setzten mit dieser Strategie auf
»Billiglohn und eine Politik des Heuern und Feuerns«.
Wetzel kündigte verstärkten Widerstand seiner Gewerkschaft gegen diese
Entwicklung an. »Gegen das Bestreben, durch Leiharbeit ein niedrigeres,
zweites Tarifniveau in den Betrieben zu etablieren, werden wir Gegenwehr in
den Betrieben organisieren.« Aber auch die Bundesregierung sei in der Pflicht,
dem Mißbrauch von Leiharbeit Einhalt zu gebieten.
Die Fragestellerin, die Linkspartei-Abgeordnete Jutta Krellmann, appelliert
ebenfalls ans Kabinett: Die Zahlen müßten »ein Weckruf für die Bundesregierung
sein«, die »mehr Energie darauf verwenden« sollte, »gute Arbeitsplätze zu
schaffen«, anstatt »ein unsoziales Kürzungspaket zu schnüren«, äußerte sie in
einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung.
Krellmann betonte, der »Jubel« der Koalition »über statistisch sinkende
Arbeitslosenzahlen ignoriert, daß diese wesentlich auf Leiharbeit beruhen und
damit die Niedriglohnspirale weiter forciert wird«. Dem Einsatz von
Leiharbeitskräften zum Zweck des Lohndumpings müsse »ein Ende gesetzt werden«,
forderte die Abgeordnete.
»Direkt verantwortlich« für diesen Boom sei Bundesarbeitsministerin Ursula von
der Leyen. Die CDU-Politikerin hatte Anfang des Jahres angekündigt, die
Leiharbeit eindämmen zu wollen. Die »größte Frechheit« sei dabei, »daß dieses
Lohndumping auch noch aus Steuermitteln subventioniert wird, denn die zu
erwartende Zunahme der Zahl der Aufstocker wird den Bundeshaushalt zusätzlich
belasten«, so Krellmann.
Zufrieden mit der Entwicklung zeigte sich dagegen Dieter Hundt, Präsident der
Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände. »Flexible
Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit und befristete Beschäftigung
haben erheblich dazu beigetragen, daß der deutsche Arbeitsmarkt
vergleichsweise gut durch die Wirtschaftskrise gekommen ist«, erklärte er am
Mittwoch. Sie dürften »nicht als ›atypisch‹ diffamiert oder durch
Überregulierung beschädigt werden«, forderte Hundt.