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05.02.2005
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| Ausland |
| Mumia Abu-Jamal |
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| Kriege um Wasser |
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| Das bedeutet Privatisierung wirklich: Sich das
gemeinschaftliche Erbe der Natur anzueignen und es in den Privatbesitz von
jemanden zu verwandeln, der Kapital daraus schlägt |
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Die Tsunami-Flut, die kürzlich die Küsten Asiens heimgesucht
und verwüstet hat, hat uns einen Einblick in die erstaunliche und
wahrhaft erschreckende Gewalt gewährt, die Wasser entfesseln kann. Es
gibt indes noch einen andere Wasserkatastrophe, die zur Zeit Formen des
Krieges annimmt, der das Leben vieler Millionen Menschen nachhaltig
beeinflussen kann. Aber dieser Krieg zieht in keiner Weise die
Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich. Vor allem die
elektronischen Medien, zu deren »Geschäft« Katastrophen und Konflikte
gehören, sind ständig auf der Suche nach Bildern und Berichten, die ihre
Formate bedienen.
Diese Medien zementieren durch ihre Berichterstattung die Privilegien der
Reichen gegenüber den Armen und Machtlosen. Aber überall auf der Welt
– in Afrika, Asien und Lateinamerika – leben Menschen unter der sehr
realen Bedrohung einer Politik, die das Wasser und die Trinkwasser- bzw.
Bewässerungssysteme in eine Ressource verwandelt, mit der Profite gemacht
werden können. Das Wasser dieser Welt, das seit der Morgendämmerung der
Zivilisation der freien Nutzung der menschlichen Gemeinschaften diente,
wird mit hohem Tempo in eine bloße Ware verwandelt – etwas, das man
verkaufen kann. Wenn man es sich leisten kann – prima. Wenn nicht –
Pech gehabt. Michael Stark, ein führender Manager der Firma US-Filter,
eine Tochtergesellschaft des multinationalen Konzerns Vivendi, erklärte
das Phänomen auf seine Weise: »Wasser ist ein entscheidend wichtiger und
notwendiger Grundstoff des alltäglichen Lebens eines jeden Menschen, und
es ist gleichzeitig ein nicht weniger bedeutender Grundstoff mächtiger
Industriekonzerne.«
Veronica Lake, eine in Michigan beheimatete Umweltschutzaktivistin, hat in
ihrem Aufsatz »Corporations Corner Market on Life, Offer Buy-Back: The
New World War: Water« in der Zeitschrift Against The Current No. 108,
Jan-Feb 2004, darauf hingewiesen, daß die Industrie sich die
Wasservorkommen der Erde mittels dreier hauptsächlicher Methoden
aneignet: a) durch »Wasser-Bergbau« in Gebieten mit großen
Grundwasservorkommen oder durch intensive Ausbeutung der Flüsse und Ströme
dieser Welt; b) durch das Leasen von staatlichen Wassersystemen und
Abwasseraufbereitungsanlagen; c) durch das »Managen« städtischer
Wassersysteme. Mit anderen Worten: im Wasser steckt Geld, und wo sich
Profite machen lassen, da sind die Konzerne sofort zur Stelle.
Das ist die dunkle und hinterhältige Seite der »Globalisierungsbewegung«
unter den westlichen Regierungen und kapitalistischen Unternehmen. Das
zeigt auch, was Privatisierung wirklich bedeutet: sich das
gemeinschaftliche Erbe der Natur anzueignen und es in den Privatbesitz von
jemand zu verwandeln, der Kapital daraus schlägt.
In Südafrika hat diese Entwicklung zu größerem Elend unter den Armen
geführt. Dort ist jetzt sogar die Rate der Choleraerkrankungen gegenüber
der Zeit der Apartheid gestiegen. Oftmals ist dies das Resultat der harten
Sparmaßnahmen, die verschuldeten Ländern von der Weltbank oder dem
Internationalen Währungsfonds aufgezwungen werden. Die jeweiligen
Regierungen müssen dann zentrale staatliche Dienstleistungen
privatisieren, und dann wird es Teil der Lebenshaltungskosten, das »Recht«
zu haben, sich Wasser zu kaufen, das man zum Leben braucht.
Aber das ist nicht nur eine Entwicklung in der weit entfernten Dritten
Welt. Im Südwesten von Detroit im Bundesstaat Michigan sind mehr als 40
000 Menschen von der öffentlichen Wasserversorgung ausgeschlossen, weil
sie ihre Wasserrechnungen nicht mehr bezahlen können. In vielen Altbauten
kommt Wasser nicht nur als Trinkwasser aus den Leitungen, sondern es dient
auch dazu, die mit Wasser oder Wasserdampf betriebenen Heizsysteme am
Laufen zu halten. Kein Wasser zu haben, bedeutet also auch, keine Heizung
zu haben. In Detroit, USA.
Wissenschaftler sagen heute schon voraus, daß künftige Kriege nicht um
Öl, sondern um Wasser geführt werden. Denn es ist letzten Endes viel
kostbarer.
(Übersetzung: Jürgen Heiser) |
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