| Kommentar |
| Rainer Rupp |
| Konzernsamariter |
| Schröder empfängt US-Gesandten Baker mit offenen Armen |
| Geradezu atemberaubend, wie sich Kanzler Schröder in jüngster
Zeit wieder an Bush und dessen Washingtoner Kriegsverbrecherbande
heranwirft. Nicht nur, daß er Bush zur Gefangennahme von Saddam auf eine
Weise gratuliert, als sei nun plötzlich des Präsidenten Angriffskrieg
gerechtfertigt gewesen. Geradezu faszinierend auch, wie der Genosse der
Bosse mit allen Mitteln versucht, den vom Pentagon dekretierten Ausschluß
deutscher Konzerne vom Irak-Geschäft zu umschiffen und also den
sehnlichsten Wunsch der Konzernherren nach praktischer Nächstenliebe
Wirklichkeit werden zu lassen. Was heißt: beim Wiederaufbau des Irak
helfen zu dürfen. Ob sie es letztlich dürfen oder nicht: Das
amerikanische Anliegen, die Schulden Iraks gegenüber Deutschland in Höhe
von insgesamt 4,4 Milliarden Dollar zu erlassen, wird weitgehend erfüllt.
Schließlich sollen die deutschen Konzerntische – wenn nicht zu
Weihnachten, so doch absehbar – mit Gaben in Form von Aufträgen aus dem
irakischen Morgenland üppig gedeckt werden. Lediglich die Bauunternehmer
mögen sich der staatlichen Samariterhaltung nicht anschließen, steht
doch der Irak ihnen gegenüber mit 1,4 Milliarden Privatschulden in der
Kreide. Wie üblich in solchen Fällen sollen natürlich die deutschen Steuerzahler für die vom Kanzler großzügig abgeschriebenen Irak-Milliarden aufkommen. Selbst in der SPD hat sich daher leiser Protest geregt. Angesichts knapper Haushaltskassen in Bund, Ländern und Kommunen fordert man statt Schuldenerlaß die Umschuldung des potentiell steinreichen Ölstaates Irak. Das aber käme den amerikanischen Herren nicht entgegen. Weshalb die konzernhörigen deutschen Medien flugs die Meldung verbreiteten, auch die widerspenstigen Franzosen, die Bushs Sondergesandter James Baker vor seiner Ankunft in Berlin in Paris heimgesucht hatte, hätten einem weitgehenden Schuldenerlaß zugestimmt. Frankreich ist jedoch nicht über seine bereits bekannte Position hinausgegangen. Mit den anderen 18 im »Pariser Club« zusammengeschlossenen Ländern will es nächstes Jahr über eine Umstrukturierung der Schulden verhandeln. Auch in Moskau, Bakers nach Rom nächster Station, bringt man wenig Verständnis für Bushs Forderungen auf, 90 Prozent der gesamten irakischen Auslandsschulden von insgesamt 120 Milliarden Dollar zu erlassen, zumal das arme Rußland im Irak nicht nur Außenstände von über sechs Milliarden Dollar hat. Auch verlor es durch den US-Angriffskrieg seine größten Geschäftsperspektiven unwiederbringlich. Daher dürften Präsident Bushs Pläne zur schnellen und weitgehenden Entschuldung des Irak zwecks Mobilisierung neuer Kredite zur beschleunigten Ausbeutung der irakischen Ölindustrie vorerst illusorisch bleiben. Trotz Berlin. |