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Greenpeace magazin
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Von MARCO
CARINI |
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GPM
2/05 - Wie Konzerne Politiker bezahlen, um ihre
Interessen auf Kosten der Umwelt durchzusetzen
Reinhard Schultz verfügt über gute Kontakte. Zur
Stromwirtschaft und zum Kanzler, dem „lieben
Gerhard“. Den forderte Schultz vor einiger Zeit zur
Abkehr von der rot-grünen Energiepolitik auf, machte
Front gegen Förderung von Windkraft und
„Draufsatteln“ beim Klimaschutz. Seine
Fraktionskollegen warnte der SPD-Bundestagsabgeordnete
aus dem Münsterland schriftlich vor einer
„fundamentalen Energiewende“. Peinlich nur: Nicht
Schultz war Verfasser des von ihm verschickten
Positionspapiers. Das stammte, auf Punkt und Komma, aus
der Zentrale des Energieriesen RWE. Noch engere
Verbindungen pflegt Schultz zu Vattenfall. Die
Unternehmensberatung „Schultz Projekt Consult“,
deren Eigentümer der Abgeordnete ist, berät den
schwedischen Stromkonzern für gutes Geld bei seiner
Expansion im deutschen Markt. Schultz selber sitzt bei
der Konzerntochter „Vattenfall Mining“ im
Aufsichtsrat. Im Bundestagsauschuss für Umwelt und
Reaktorsicherheit sitzt Schultz auch – als
stellvertretendes Mitglied. Doch in dieser Doppelrolle
mag der 55-Jährige „keinen Interessenkonflikt“
erkennen.
Doppeltes Gehalt, geteiltes Gewissen: Wenn Politiker das
Geschäft der Konzerne betreiben, dann fast immer auf
Kosten der Umwelt. Denn es sind vor allem die unbeirrt
auf Atom und Kohle setzenden Energiekonzerne, die an
sauberer Luft wenig interessierten Autobauer und
Gentech-Unternehmen, die über besonders gute Drähte
zur Politik verfügen. Rund 50 Bundestagsabgeordnete, so
recherchierte der „Tagesspiegel“, entscheiden in den
Parlamentsausschüssen über Gesetze mit, die
Unternehmen betreffen, mit denen sie über
Aufsichtsratsmandate oder Nebentätigkeiten verbandelt
sind.
Ganz legal halten Politiker die Hand auf. Nur wer Gehälter
und andere Vergütungen absichtlich verschweigt, kriegt
Probleme. So wie CDU-Generalsekretär Laurenz Mayer oder
der Chef der CDU-Arbeitnehmervereinigung, Hermann-Josef
Arentz. Beide kassierten hohe Zahlungen von RWE und
mussten zurücktreten, weil sie die Einkünfte
bestritten. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete
Jann-Peter Janssen verlor sein Mandat, weil er bis
zuletzt geleugnet hatte, auf der VW-Gehaltsliste zu
stehen.
Arentz, Meyer, Schultz und Janssen sind nur die Spitze
des Eisbergs. Besonders die Energiekonzerne haben ein
weit verzweigtes Netz politischer Einflussnahme
gesponnen, dessen Fäden von den Kommunen bis ins
Kanzleramt reichen. So schüttet RWE-Energy ganz
offiziell jährlich über 650.000 Euro an etwa 100
Mitglieder so genannter Regionalbeiräte aus. Dabei
handelt es sich um „aktive Landräte, Oberbürgermeister
und Bürgermeister von solchen Gebietskörperschaften“,
die RWE-Aktien halten. Für fünf Sitzungen im Jahr
bekommt jeder Beirat rund 6700 Euro. „Die Beiräte
stehen natürlich den Interessen von RWE besonders
aufgeschlossen gegen-über“, weiß Aribert Peters vom
Bund der Energieverbraucher.
Geld von den Energieversorgern erhielt auch
Wirtschaftsminister Werner Müller. Eine monatliche
Pension von 8000 Euro kassierte der parteilose
Ex-Energiemanager von E.ON neben seinem üppigen
Ministergehalt. Müllers Ministerium erlaubte nicht nur
gegen erbitterten Widerstand des Kartellamtes die Fusion
von E.ON und Ruhrgas zu einem der größten
Energiekonzerne der Welt. Es zeichnete auch für eine
Liberalisierung des Strommarktes verantwortlich, die große
Stromkonzerne bevorzugt und kleineren
Energieproduzenten, etwa Ökostromanbietern, den Zugang
zum Leitungsnetz durch hohe Nutzungsgebühren erschwert.
Jürgen Resch, Geschäftsführer der deutschen
Umwelthilfe, sieht die „Umweltpolitik in den Fängen
des Raubtierlobbyismus großer Konzerne“. Teile der
Wirtschaft würden durch „massiven Druck“ auf die
Politik „dringend notwendige Umweltgesetze“
verhindern. Als Paradebeispiel nennt Resch den Sturmlauf
der Autokonzerne gegen die Einführung des Rußfilters für
Dieselfahrzeuge. Anführer der Lobby: die VW-Abteilung
„Regierungsbeziehungen“. Laut Resch hat „kein
anderes deutsches Unternehmen eine vergleichbar
effiziente Abteilung zur Politikbeeinflussung“. Weil
die deutschen Autohersteller, statt Ruß
herauszufiltern, lieber rußarme Motoren entwickeln
wollten, gelang es den Wolfsburger Lobbyisten über gute
Kontakte zum „Autokanzler“ Gerhard Schröder, erst
die Einführung der europäischen Abgasnorm Euro 5 zu
verzögern. Dann konnten sie lange Übergangsfristen für
die Filtereinführung herausschinden und schließlich
die steuerliche Förderung der Filter ausbremsen. Mit
auf der Bremse stand Finanzminister Eichel, in dessen
Heimatstadt Kassel VW 15.000 Arbeitnehmer beschäftigt.
Erst Ende Januar willigte er in eine auf zwei Jahre
begrenzte, stark abgespeckte Förderung ein.
Dass die geheime Politiker-Gehaltsliste von VW aufflog,
auf der sechs Bundestags- und Landtagsabgeordnete
standen, war für die 40-köpfige Abteilung
Regierungsbeziehungen eine Katastrophe. Lobbyismus ist
auf Diskretion angewiesen – außerhalb öffentlicher
Wahrnehmung, stets im Dunstkreis politischer Macht.
Direkt im Machtzentrum von Sachsen-Anhalt steht der
Biologe Dr. Uwe Schrader, der vorigen April im Landtag
nach einer Greenpeace-Aktion gegen die Freisetzung von
Gen-Weizen forderte, „den Gemeinnützigkeitsstatus
einer solchen Vereinigung auf den Prüfstand zu stellen,
um gegen derartige Aktionen vorzugehen“. Schrader
koordiniert als Vorsitzender des Vereins InnoPlanta,
einem Netzwerk aus Gentechnik-Firmen, Landwirten und
Saatzüchtern, die umstrittenen Freisetzungsversuche in
der Region. Als FDP-Landtagsabgeordneter leitet er den
„Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten“, der über die Erbgutexperimente auf den Äckern
des Landes mitentscheidet. Interessenkonflikte sieht
Schrader nicht. Die Grünen forderten Schrader mehrfach
auf, den Ausschussvorsitz abzugeben. Sören Herbst,
Mitglied des Grünen-Landesvorstands: „Die
Interessenverquickung ist so offensichtlich, dass
Schaden für das Ansehen des Landes droht.“ Und
Schaden für die Umwelt, möchte man hinzufügen.
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