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Ressort: Wirtschaft
URL: /wirtschaft/artikel/898/163442/
Datum und Zeit: 14.03.2008 - 09:42
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| 13.03.2008 17:53 Uhr |
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Die bittere Realität: Viele
Angestellte im öffentlichen Dienst sind auf Hartz IV angewiesen.
Foto: ddp
Löhne
Hartz IV für Staatsdiener
Auch im öffentlichen Dienst und in ehemals
staatlichen Betrieben werden Niedriglöhne gezahlt. Viele Beamte und
Angestellte müssen ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken.
Von Nina Bovensiepen
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| Während die große Koalition über die Einführung von
Mindestlöhnen diskutiert, beschäftigt die öffentliche Hand selbst in
großem Stil Menschen, die nur Niedriglöhne bekommen. Nach Informationen der
Süddeutschen Zeitung zahlen Bund, Länder und Kommunen Tausenden
Beschäftigten so niedrige Gehälter, dass diese zusätzlich zu ihrem Lohn
Hartz-IV-Leistungen benötigen. Im öffentlichen Dienst sowie in angrenzenden
Bereichen, von denen einige inzwischen privatisiert sind, arbeiten 180.000
Menschen, deren Verdienst zum Leben nicht reicht. Darunter sind fast 33.000
Lehrer und Erzieher, die trotz eines regulären Jobs auf Hartz IV angewiesen
sind.
Glaubwürdigkeit gefährdet
Die Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der
Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Danach waren im Juli 2007 -
das sind die aktuellsten Daten - im öffentlichen Dienst, in Schulen sowie in
den Bereichen Gesundheit, Soziales und Entsorgung 129.907 Beschäftigte auf
Hartz IV angewiesen, obwohl sie eine reguläre, sozialversicherungspflichtige
Arbeit hatten. 53.621 Menschen stockten einen Mini- oder Teilzeitjob mit
Arbeitslosengeld II auf. "Die SPD macht sich öffentlich für Mindestlöhne
stark, ist aber in der Regierung dafür verantwortlich, dass Beschäftigte den
Gang zum Sozialamt antreten müssen, weil der Monatsverdienst nicht reicht.
Das passt nicht zusammen‘‘, kritisiert Zimmermann.
Wie hoch die exakte Zahl der Bedürftigen im Dienst von Bund, Ländern und
Kommunen ist, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Isolierte Angaben
dazu lägen nicht vor, heißt es in dem Antwortschreiben aus dem Haus von
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Zahlen weisen aber darauf hin,
dass es im öffentlichen Dienst deutlich mehr sogenannte Aufstocker gibt -
also Menschen, die zum Lohn staatliche Hilfe benötigen - als vermutet. Die
Bundesagentur für Arbeit hat erst einmal eine Zahl dazu genannt: Im März
2007 räumte der Vorstand der Nürnberger Behörde ein, dass etwa 13.000
Aufstocker im öffentlichen Dienst tätig seien.
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Zahlen sollen Lohnforderungen belegen
Die Antwort der Bundesregierung listet die Aufstocker-Zahlen nach
einzelnen Wirtschaftsbereichen auf. Allein in dem Zweig öffentliche
Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung gibt es danach mehr als
16.000 regulär Beschäftigte sowie fast 5000 geringfügig Entlohnte, die
Hartz-IV-Leistungen benötigen. In diesem Bereich "handelt es sich mit
deutlicher Mehrheit um Beschäftigte mit einem Arbeitsverhältnis zu einem
Arbeitgeber im öffentlichen Dienst‘‘, schreiben die Beamten von
Schäuble.
In den übrigen Bereichen sind die Beschäftigten teilweise bei
öffentlichen und teilweise bei privaten Anbietern angestellt. Zum Teil
handelt es sich auch um Einrichtungen, die früher zum öffentlichen Dienst
gehörten und die nun privatisiert sind. Konkret geht es um die Bereiche
Erziehung und Unterricht, Abwasser und Entsorgung sowie Gesundheits-,
Veterinär- und Sozialwesen. In letzterem Zweig gibt es fast 120.000
Aufstocker.
Für die Linken-Abgeordnete Zimmermann sind die Zahlen auch ein Beleg
dafür, dass die Lohnforderungen der Gewerkschaften in der diesjährigen
Tarifrunde berechtigt sind. "Im öffentlichen Dienst und den angrenzenden
Bereichen gibt es einen Niedriglohnsektor. Das Vorurteil, dort werde überall
gut verdient, stimmt nicht‘‘, sagt sie. Im Tarifstreit des öffentlichen
Dienstes für die 1,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen beginnt
diesen Samstag die Schlichtung. Die Gewerkschaft
Verdi fordert acht Prozent mehr Geld, die Arbeitgeber wollen deutlich
weniger zahlen.
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SZ vom 14.3.2008/jkf/mel) |
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