1Junge Welt 2.07.2011 / Kapital & Arbeit / Seite 9


dapd
Geheimdienstzentrale wird teurer
Berlin. Nach Meldungen über gestohlene Baupläne der künftigen Zentrale
des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin, sorgen sich Politiker aus
dem linken Spektrum um Steuergelder. So warnte Christian Ströbele
(Grüne) im Berliner Tagesspiegel: Sollten sich die Berichte bestätigen,
sei »erheblicher Zusatzaufwand« nötig. Bereits jetzt werde von fast der
doppelten Summe als ursprünglich geschätzt ausgegangen.
Es müsse genau untersucht werden, »wer für die eklatanten
Sicherheitslücken im Umgang mit den Bauplänen verantwortlich ist«,
monierte der Abgeordnete Wolfgang Neskovic (Die Linke). Der Politiker
ist wie Ströbele Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium des
Bundestages zur Überprüfung der Geheimdienste.
Der Neubau ist gigantisch: Wer als Bürger die künftige Trutzburg des
Sicherheitswahns erwandern will, braucht viel Zeit und gutes Schuhwerk:
Dem BND wurde praktisch ein ganzes Stadtviertel in Berlin-Mitte
zugewiesen, ein Gelände, auf dem inzwischen Betonblöcke Orwellscher
Dimensionen emporgewachsen sind. Letzteres macht offenbar die linke
Abteilung im Parlament nicht übermäßig nervös.
Dennoch scheint die Kompetenz der Beteiligten an dieser Gigantomanie
adäquat: So berichtete Focus, daß mehrere als Verschlußsachen
eingestufte Baupläne offenbar von dem streng bewachten Gelände
geschmuggelt worden seien (siehe jW vom Montag). Sie beträfen vor allem
den geheimsten Teil der künftigen Betonwüste, das Technik- und
Logistikzentrum. Medienberichten vom Montag zufolge will der BND eine
Untersuchungskommission einsetzen, um die Vorfälle zu klären.
»Das Verschwinden der BND-Baupläne bestätigt Zweifel an der
Professionalität des Dienstes«,rügte Neskovic. Die nun wohl
erforderlichen Umbauten würden den Steuerzahler Millionen kosten.
Bislang sind Presseberichten zufolge 1,6 Milliarden Euro für den Bau der
Spionagezentrale veranschlagt. (AFP/jW)