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Gemeinsame Pressemitteilung
"Gefährliches Signal für ein Europa der Konzerne"
Attac und Weed kritisieren Industrienähe der neuen EU-Kommission
Frankfurt und Berlin, 15. November 2004: Im Vorfeld der für diese Woche
geplanten Abstimmung über die neue EU-Kommission haben das
globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Nichtregierungsorganisation WEED
die Industrienähe und die politische Ausrichtung einiger Kandidaten kritisiert.
"Die Vorschläge lassen befürchten, dass sich der neoliberale Kurs der EU
in den nächsten fünf Jahren verschärfen wird", sagte Dominik Fette,
Koordinator des Attac-Schwerpunktes Weltwirtschaft und Privatisierung. "Die
Nominierungen setzen ein gefährliches Signal für ein Europa der
Konzerne."
So soll das Schlüsselressort Handel vom Briten Peter Mandelson übernommen
werden. Er gilt nicht nur als entscheidende Figur beim Umbau der Labour Party
zur neoliberalen "New Labour", sondern auch als undifferenzierter
Freihandels-Verfechter. "Auch in den sensiblen Bereichen Landwirtschaft und
Dienstleistungen drängt Mandelson die Länder des Südens rücksichtslos zur Öffnung
der Märkte", sagte Klaus Schilder, Projektreferent für EU-Nord-Süd-Politik
bei WEED.
Besonders eng verfilzt mit der Industrie ist die designierte
Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes aus den Niederlanden, die in zwölf
Aufsichtsräten gesessen hat, etwa bei McDonald's, Lucent, Volvo und MMO2, und
war für das US-Rüstungsunternehmen Lockheed tätig. "Eine
konzernkritische Politik ist von dieser radikalen Privatisierungs-Verfechterin
nicht zu erwarten", sagte Fette. Auf Kritik stoßen auch die Äußerungen
des künftigen Industrie-Kommissars Günter Verheugen, dass die Interessen der
Wirtschaft künftig Vorrang vor Umweltbelangen haben solle.
Auch der liberale irische Ex-Finanzminister Charlie McCreevy hat klare Ziele für
sein angestrebtes Amt als Binnenmarkt-Kommissar: Er will die Umsetzung der
umstrittenen EU-Binnenmarktrichtlinie seines Vorgängers Bolkestein, die einen
Großteil der europäischen Sozial- und Umweltstandards bedroht (siehe http://www.attac.de/bolkestein
), zu seinem persönlichen Anliegen machen. Zudem lehnt der Ire sämtliche
Bestrebungen zu Mindeststeuersätzen in Europa entschieden ab.
In einem offenen Brief an den neuen Kommissions-Präsidenten José Manuel Durão
Barroso haben über 50 Nichtregierungsorganisationen, darunter Attac und WEED, kürzlich
den mächtigen und undurchsichtigen Industrielobbyismus in Brüssel kritisiert (www.corporateeurope.org/barroso.html).
"Die meisten der über 15.000 EU-Lobbyisten vertreten Industrieinteressen.
Deren Privilegien müssen demokratisch kontrolliert werden, damit europäische
Politik stärker dem öffentlichen Gemeinwohl verpflichtet ist", sagte
Klaus Schilder.
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