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Reutlinger Generalanzeiger , Mittwoch 21.11.01 Wasser marsch durch Ami-
Leitungen Bodenseewasserversorgung schließt Leasing-Vertrag mit US-Bank Kreis Tübingen. (co) Wasser vom Bodensee fließt bald durch
amerikanische Leitungen in die schwäbischen Haushalte: Ein im Kreis Tübingen
umstrittener Leasing-Vertrag zwischen der Bodensee‑Wasserversorgung (BWV) und einer US-Bank ist gestern von der Verbandsversammlung in Stuttgart genehmigt
worden. Die BWV verspricht sich durch die Transaktion
Einsparungen von 100 Millionen Mark. Die Beteiligten nutzen dabei
US‑Rechtsvorschriften. Leitungen und Anlagen werden auf 99 Jahre an die
Amerikaner vermietet, gleichzeitig schließen beide Parteien einen Rückmietvertrag
ab. Die lange Vertragsdauer bringt der Bank
Steuervorteile. Sie wird nach US-Recht so behandelt, als ob sie Eigentümerin wäre.
Einen Teil des Spareffekts geben die Amerikaner an ihre deutschen Partner
weiter. Davon können auch die Haushalte profitieren, wenn sich die BWV
entschließt, den Wasserpreis zu
senken. Die zweite Möglichkeit wäre, die Summe für Investitionen zu nutzen,
hieß es in der Stuttgarter BWV‑Zentrale. In den Gemeinden des Kreises Tübingen wurde das
Verfahren unterschiedlich diskutiert. Mössingen, Bodelshausen und Gomaringen
stimmten für das ungewöhnliche Geschäft, Ofterdingen und Dußlingen dagegen.
Bei der Verbandsversammlung gab es indes eine klare Mehrheit: Von 2 868 Stimmen
waren 2 351 Ja-Stimmen, 477 Nein-Stimmen, der Rest enthielt sich. Ganz so ungewöhnlich ist das Geschäft nicht. Wie
berichtet, wird das Verfahren bereits in anderen Bereichen praktiziert etwa bei
der Müllverbrennung in Böblingen, der Stadtentwässerung
in Köln und Bonn, und bei der Leipziger Messe. Ortwin Rau,
stellvertretender kaufmännischer BWV-Geschäftsführer, hatte das
Verfahren im Vorfeld im Steinlachtal vorgestellt. Dabei war von einem
Preisvorteil von sechs Pfennig pro Kubikmeter Wasserpreis für die Verbraucher
die Rede und das auf zehn Jahre hinaus.
Dollars aus dem Hahn Bodensee-Wasser wird amerikanisch E
in Gespenst geht um im Steinlachtal das Gespenst vom Verkauf der
Bodensee Wasserversorgung an "die Amerikaner". Im Ernst: Die BWV,
ein Zweckverband mit über 130 Mitglieds Gemeinden aus ganz Baden-Württemberg,
will ihre Anlagen und Einrichtungen an einen US-Trust vermieten auf 99 Jahre. Dafür kassiert sie im Voraus das Sümmchen von 1,2 bis 1,5
Milliarden D-Mark geschätzter Gegenwert der Förder Anlagen,
Pumpen, Brunnen, Reservoire und so weiter. Den "Vorschuss" will die
BWV einem vertrauenswürdigen Kreditinstitut übertragen. Um
die End-Verbraucher weiterhin zuverlässig und in gewohnter Qualität mit
Bodensee-Wasser zu versorgen, werden die Anlagen rückgemietet; mit
dem US-Trust schließt die BWV einen Mietvertrag auf 29 Jahre, nach dessen
Ablauf der Miet-Gegenstand zu einem fest vereinbarten Preis zurück
gekauft werden kann (und auch soll). Die vereinbarte Miete wird ebenso wie die
Ablöse-Summe vom Kreditinstitut des BWV-Vertrauens bezahlt. Nun
werden manche fragen, was das Ganze soll außer ein paar arme, mit
Abwicklung der Leasing-Transaktion beauftragte Rechtsanwälte und den
"Arrangeur" die Daimler-Chrysler-Holding zu nähren? Nun, das ist schnell erklärt: Der US-Investor, dem Verlauten
nach eine Tochter Gesellschaft der First Union Corporation, sechstgrößte
Bank der USA, macht Gewinn, indem ihm für die Vertrags-Laufzeit Steuern
gestundet werden. So will es das amerikanische Steuer-Gesetz. Die BWV
macht Gewinn, indem sie den so genannten Netto Barwertvorteil aus dem
Geschäft abschöpft nach derzeitigen Schätzungen rund 80 bis 100
Millionen Mark. Denn für Rück-Miete, Ablöse, Anwalts und "Arrangeurs" Gebühren müssen nur 95 Prozent der
Gesamt-Summe aufgewendet werden. Die überschüssigen fünf Prozent können
ins Wasser-Geschäft reinvestiert, oder in Form einer
Wasserzins-Senkung von etwa sechs Pfennig pro Kubikmeter an die
Verbraucher weiter gegeben werden. Die
US-Leasing-Transaktion ist übrigens nicht das erste solche Geschäft,
das kommunale Unternehmen mit US-Investoren abgeschlossen haben. Schon
seit einigen Jahren "gehören" diversen Geldgebern aus den USA Kläranlagen,
Kanalnetze, Schienenfahrzeuge und Müllheizwerke in Stuttgart, Ulm, Ludwigsburg
und Böblingen. Solche Verträge sind nicht unseriös, wie die BWV versichert,
eben nur einer von 1000 legalen Tipps zum Steuersparen". Sie werden
mit Wissen und Billigung der deutschen und US-Finanzbehörden geschlossen. Irgendwie
bringt einen das schon ins Grübeln: Denn außer, dass viel bedrucktes Papier
von einem Schreibtisch zum nächsten geschoben wird, passiert ja nichts
Produktives; und dass der amerikanische Staat dafür auf Steuer-Einnahmen
in Millionen-Höhe verzichtet, die sich US-Investoren, Anwälte und
letztlich der baden-württembergische Wasser-Verbraucher auf eine,
wenn auch höchst ungleiche Art teilen, mag zwar legal sein, ist
volkswirtschaftlich aber höchst fragwürdig. Ach, woher wir das wissen? Weil die BWV-Geschäftsführung
derzeit alle Zweckverbands-Mitglieder
darunter auch Bodelshausen, Ofterdingen, Mössingen, Dusslingen,
Gomaringen und Nehren - über das geplante Geschäft informiert. Die Gemeinderäte
von Ofterdingen, Dusslingen und Nehren haben von dem Geschäft übrigens keine
"zustimmende Kenntnis" genommen, wie die Geschäftsordnung vorsieht.
Das wird die Verbandsversammlung indes kaum aufhalten, die Transaktion am 20.
November in Stuttgart zu genehmigen. Ulrich Schwäbisches Tagblatt
Ulrich
Stolte
26.10.2001 Wie,
was, und vor allem wer? Jetzt
will also die Bodenseewasserversorgung mit Cross-over-Leasing-Verträgen
Geld verdienen. Was das sein soll, wissen wir nur hypothetisch. Ein
amerikanisches Unternehmen mietet die Bodensee-Wasserversorgung (BWV), die
deutsche Wasserversorgung mietet die Anlagen zurück. Weil das amerikanische
Unternehmen der BWV so viel Geld zugeschoben hat, macht es Verluste, deswegen
werden ihm Steuern gestundet. Das Geld, das die BWV wieder zurückschiebt, parkt
das Unternehmen auf ein paar andere Konten, von denen die amerikanische
Regierung wahrscheinlich nichts weiß, legt es nutzbringend an und gibt den
Zinsgewinn in irgendeinem Anteil an die Bodensee-Wasserversorgung weiter.
So oder so ähnlich läuft dieses Verfahren. Auch die Tischvorlagen boten keinen
erhellenden Hintergrund: O-Ton, Seite zwei: "Der Nettobarwertvorteil
stellt einen Gewinn bei der BWV dar, und es ist vorgesehen, ihn dort der Rücklage
zuzuführen und über eine nachfolgende Dauer umlagenreduziert
auszukehren." Ortwin
Rau, Sprecher des Zweckverbands, bekannte, er habe ein halbes Jahr gebraucht, um
zu verstehen, was er da tat. Dem Gemeinderat Kusterdingen gönnte er dann eine
halbe Stunde, um dasselbe zu tun. So präsentierte sich Ortwin Rau als Meister
im Nebelkerzen-Weitwurf. Statt auf die Hintergründe des Geschäftes
einzugehen, statt die Finanzströme offen zu legen, sprach er im Gemeinderat am
Mittwoch fast ausschließlich über die Vorteile des Geschäftes. Die BWV macht
mehr Geld, der Wasserpreis sinkt theoretisch. Ist ja auch alles okay.
Bloß hatte man gestern in der Sitzung den Eindruck, dass niemand so recht
wusste, für was er da eigentlich stimmt. Solch eine Abstimmung hinterlässt
beim Zuhörer immer ein ungutes Gefühl. Was am meisten stört, ist die
Namenlosigkeit der Transaktion: Ein US-Unternehmen bildet einen
US-Trust, und der legt Geld an. Wir kennen dieses US-Amerikanische
Unternehmen nicht. Ob das Medellin-Kartell damit Drogengelder wäscht, die
Chicagoer Mafia ihre Schmuggel-Erlöse Gewinn bringend anlegt, oder ob es
doch bloß das Disneyland ist, das seine Micky Maus versilbert: Wer seinen Namen
nicht sagt, der hat etwas zu verbergen. Das Misstrauen, das sieben Gemeinderäte
zeigten, die zwar nicht dagegen stimmten, sich aber erhielten, war berechtigt.
Ulrich Stolte
02.02.2002 :Ernst
Bauer ‑' Lohnendes Leasing Schultes Fifka stimmte mit Ja und Nein MÖSSINGEN
(bau). Sein "gespaltenes" Abstimmungsverhalten als örtlicher
Vertreter bei der Bodenseewasser Versorgung erklärte Mössingens Bürgermeister
Werner Fifka in der jüngsten Gemeinderatssitzung nun auch ganz offiziell einem
staunenden Publikum. Für
Mössingen hatte er dem etwas abenteuerlichen Grundstücks Leasinggeschäft
mit US-Anlegern zugestimmt entsprechend dem "Ja" des Mössinger
Gemeinderats. Als Repräsentant der Steinlachwasser Versorgung, deren
Mitgliedsgemeinden mit knapper Mehrheit dagegen waren, habe er "mit der
anderen Stimmkarte", so Fifka, zugleich "Nein" gesagt. Diese
Stimme sei aber kaum ins Gewicht gefallen, weil die meisten Vertreter im
Bodsenseewasser-Verband für die Transaktion votierten Das
Votum der Steinlach-Kommunen nur ein Tropfen auf das heiße
Leasing-Geschäft? Unter dem Strich hat es sich nach Fifkas Einschätzung
und Zahlen, die er jetzt nannte, durchaus gelohnt: Man habe mit dem
US-Partner und den Banken am 9. Januar den Vertrag unterschrieben und
"ein sehr gutes Ergebnis erzielt". Der Nettobarwert-Vorteil
liege noch um fünf Millionen Euro über dem erwarteten Betrag von 40,1
Millionen. Und ganz klar sei auch festgelegt worden, dass die
Bodenseewasser-Versorgung Eigentümerin aller Grundstücke bleibe, dass
der Vertragspartner in den knapp 30 Jahren Laufzeit keinen Einfluss auf die
Unternehmenspolitik habe. Was bringt der Deal für die Verbraucher? Fifka geht
von einer,"dämpfenden
Wirkung", einer Verbilligung der Wasserkosten aus: "Man will es in die
Gebühren einfließen lassen."
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