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Taz,
1. April 2006 / http://www.taz.de/pt/2006/04/01/a0093.1/textdruck Arm?
Datenschutz ade
Wer ALG II bezieht, bekommt laut Bremens
Datenschutzbeauftragtem weniger Rechte zuge-standen
Beziehern
des Arbeitslosengeldes II (ALG II) wird zu oft ein Recht auf Datenschutz
abgesprochen. Zu diesem Ergebnis kommt der Landesdatenschutzbeauftragte Sven
Holst in seinem aktuellen Jahresbericht. Aufgrund der Medienberichte über
einzelne schwarze Schafe werde der Schluss gezogen, jeden ALG II-Empfänger
umfassend kontrollieren und ausspähen zu müssen, so Holst. Die Daten der
arbeitslos Gemeldeten könnten bundesweit in allen Arbeitsagenturen abgerufen
werden. Sogar Mitarbeiter von Call - Centern, die im Auftrag der Agenturen Daten
erheben, hätten freien Zugang zu der zentralen Datenbank. Als
Skandal bezeichnete Holst die Tatsache, dass die GEZ weiterhin auf
Originalbescheide für die Befreiung von Rundfunkgebühren bestehe. Das bedeute,
dass die GEZ über persön-liche Daten wie Drogenabhängigkeit oder
Schwangerschaft informiert sei. Bisher habe sich die GEZ geweigert, eine Bestätigung
der Bedürftigkeit ohne Angabe von Gründen seitens der ausstellenden Ämter zu
akzeptieren. "Es geht dabei angeblich um Fälschungssicher-heit, aber
offenbar nach dem Motto ,diese Leute betrügen ohnehin alle'", so Holst. Für
das Land Bremen monierte der Datenschützer nur einzelne Verstöße gegen den
Datenschutz. So hatten zwei Krankenkassen Gesundheitsdaten von ALG II-Empfängern
weitergegeben, eine Bank hatte Kundendatensätze im Altpapier entsorgt. Viele Bürger
hätten sich über Videoüberwa-chung beschwert, berichtet Holst. In einem Fall
hätte ein Kaufhaus sein Kunden-WC mit Kameras ausgestattet, um Ladendiebe zu überführen.
Ein Sportstudio hatte seine Umkleideräume überwa-chen lassen. Sorgen
macht Holst nach wie vor die bescheidene Ausstattung seiner Dienststelle. Mit
gerade sechs MitarbeiterInnen käme man geradeso hin, sagt Holst. Für die erste
Phase nach dem Erlassen des Informationsfreiheitsgesetzes im Sommer brauche er
zusätzliche Kräfte. Ein weiteres Problem: Die Einführung der elektronischen
Gesundheitskarte, für die sich Bremen als Modellre-gion zur Verfügung stellt.
Um dem gefürchteten "gläsernen Patienten" vorzubeugen, müsste das
Projekt umfassend von Datenschutzexperten begleitet werden. Doch dafür fehlt
bisher das Geld. eib taz
Nord Nr. 7937 vom 1.4.2006, Seite 32, 75 TAZ-Bericht eib, nur in
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