Junge Welt 21.01.2005
Winfried Wolf
Militärtransporter finanziert A380
Ohne Quersubventionierung aus den Rüstungsetats würde
es keinen Super-Jumbo geben
Die selbsternannten Ritter der freien Marktwirtschaft
fordern allerorten »Kostendeckung«. Gegebenenfalls soll sich auch die künstliche
Hüfte rechnen. Nicht jedoch der Flugverkehr. Bei dieser Verkehrsart gelten
diese hehre Prinzipien nicht mehr. Zwölf Milliarden Euro Entwicklungskosten, zu
einem erheblichem Teil direkte Subventionen, verschlang der Super-Jumbo von
Airbus. Im Jahr 2000 gab es parallel zur Entscheidung, den A380 zu bauen, den
Beschluß, bei Airbus/EADS den Großraum-Militärtransporter A400M zu fertigen.
In das A400M-Projekt gehen fünf Milliarden Euro staatliche Hilfen für die
Entwicklung. Insgesamt sollen aus den europäischen Militärhaushalten in das
Vorhaben – und damit in EADS/Airbus – Gelder in Höhe von 25 Milliarden Euro
fließen.
Beide Projekte laufen bei Airbus/EADS zeitlich weitgehend parallel. Experten
gehen davon aus, daß der A380 nie hätte gebaut werden können ohne die damit
verbundene kontinuierliche Quersubventionierung. Die Airlines, die den A380
ordern, müssen zusätzlich zum Kaufpreis von 280 Millionen Euro je Megaliner
noch erheblich in die eigene Infrastruktur (Logistik; Hallen; Wartung)
investieren. Die Lufthansa z.B. will 4,2 Milliarden Euro für den Kauf der
bestellten 15 A380-Einheiten und weitere 500 Millionen Euro für den Ausbau der
eigenen Infrastruktur ausgeben. Weltweit werden die wenigen großen Airports,
die sich für den A380 rüsten, mehr als ein Dutzend Milliarden Euro in die
Verbreiterung der Start- und Landebahnen, in neue Hallen und in neue Logistik
investieren. Die meisten Flughäfen in Europa befinden sich in öffentlichem
Eigentum. Selbst große Airports wie Köln und Leipzig schreiben rote Zahlen –
die öffentliche Hand finanziert auch hier kräftig mit.
Darüber hinaus begünstigt die bestehende Marktordnung den Flugverkehr. So
unterliegen Kerosin und Flugbenzin nicht der Mineralölsteuerpflicht.
Rechtzeitig zur Präsentation des A380 wurde bekanntgegeben, daß »frühestens
2008« eine Kerosin-Besteuerung vorstellbar sei. Damit wird der Vorteil, den der
Flugverkehr gegenüber der Schiene hat, verlängert. Das Segment der
Billigflieger wird verstärkt.
Dazu könnte gerade auch der A380 beitragen. Die schönen Bilder, bei denen es
im A380 Bars, Fitnessräume und Doppelbetten geben soll, täuschen. Angesichts
des harten Konkurrenzkampfes unter den Airlines dürfte die Sitzplatz-Zahl je
Flugzeug entscheidend für den Profit sein. Es gibt bereits Pläne, den A380 eng
zu bestuhlen, um mit bis zu 1000 Fluggästen Ferntrips zum Niedrigtarif
anzubieten.
Schließlich sind der größte Teil der dem Flugverkehr zuzurechnenden
Folgekosten (Flächenverbrauch, Lärmschäden, Gesundheitskosten, vergiftete Flächen
usw.) »extern«, das heißt, sie werden dem Flugverkehr nicht angerechnet. Sie
gehen nicht in die Ticketpreise ein, werden auf die Gesellschaft und spätere
Generationen abgewälzt.Erst auf dieser Basis »rechnet« sich der A380. Dann
allerdings gut: Im Verkaufspreis von 280 Millionen Euro je Flugzeug sind 35
Millionen Euro Gewinn eingerechnet.12,5 Prozent Gewinn beim Umsatz und mehr als
20 Prozent Gewinn auf das eigene eingesetzte Kapital wird bei Airbus als »angemessen«
angesehen.