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Gruppen wiesen den Weg
TÜBINGEN
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(kai). Die Passanten konnten sich am Mittwoch beim
„Aktionstag gegen Sozialabbau“ entscheiden: „Wir müssen leider draußen
bleiben“ stand über dem linken Durchgang zum Tübinger Holzmarkt, den wenige
wählten. Der rechte wies den neuen sozialen Weg zu einer gerechteren Welt.
Vor und hinter dem Engpass standen Mitglieder von zehn sozialen und politischen
Gruppen an Informationsständen im Regen. Tropfen trommelten auf die im „Cafe
Sozialraub“ vor der Stiftskirche bereitstehenden Thermoskannen und Kuchen. Die
Karikaturen am Wunschzaun flatterten weitgehend unbeachtet im Wind. Mit Flugblättern
und Infoschriften versuchten die im “Social Forum“ Tübingen
zusammengeschlossenen Initiativen vom Arbeitslosentreff über das Friedensplenum
bis zum Zentralamerika-Komitee ihre Botschaft an Frau und Mann zu bringen:
„Genug für alle!“
Mit diesem Slogan stellen sie sich gegen die Agenda 2010 und gegen die
Behauptung, dass in einem so reichen Land wie Deutschland der Sozialstaat nicht
mehr finanzierbar sei. „Es gibt Alternativen zum zutiefst unsolidarischen
Sozialabbau“, sagte Michael Stadelmann, Mitglied bei Attac und einer der
Sprecher des „Social Forum“. Beispielsweise, dass die Sozialsysteme nicht
nur über den Faktor Arbeit, sondern auch über andere Einkommensarten wie etwa
Kapitalerträge finanziert werden.
Doch es läuft anders. Welche Folgen die herrschende Politik der Zuschusskürzungen
für die sozialen Initiativen hat, zeigten unter anderem der Paritätische
Wohlfahrtsverband und das Sozialforum Tübingen nach dem Motto „Stellen Sie
sich vor, Sie haben ein Problem, und es gibt keine Hilfsangebote“. Mit dem
Aktionstag wollten die Initiativen auch für die Demonstration gegen Sozialabbau
am 3.April in Stuttgart werben.
Text: tagblatt online
Online-Redaktion: tagblatt online
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GEA 25.3.04 |
Aktionstag
- Initiativen artikulieren ihren Protest |
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Gegen
den Sozial-Abbau |
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TÜBINGEN/REUTLINGEN.
»Die Agenda 2010 ist zutiefst unsolidarisch«, sagt Michael Stadelmann.
Für den Attac-Sprecher steht fest: »Sie bringt Sozial-Abbau - und es
gibt sehr wohl Alternativen.« Um ihren Protest zu artikulieren, haben
am Mittwoch auf dem Tübinger Holzmarkt mehrere Initiativen einen
Aktionstag abgehalten, Infostände aufgebaut und mit Passanten
diskutiert. |
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»Wer
heute spart, zahlt morgen mehr«, sagen Paritätischer Wohlfahrtsverband
und Sozialforum und fordern »Schluss mit den Zuschuss-Kürzungen«. Die
Stadt reduziert meist in der Größenordnung von 5,7 Prozent, der Kreis
sogar pauschal um 20 Prozent. Der Effekt der in ihren Augen
kurzsichtigen Sparpolitik: Menschen, die Beratung und Unterstützung
brauchen, wird die Hilfe verweigert.
Ursula Winter, die die Kreisarmuts-Konferenz vertritt, war nach eigenen
Worten entsetzt, als sie vom Ausmaß der Streichungen erfahren hat. Sie
warnt: »Es geht um Maßnahmen, die dringend nötig sind.« Nach ihren
Beobachtungen herrscht bei vielen Initiativen große Unsicherheit, viele
versuchten, sich irgendwie zu behelfen. Winter ist überzeugt: »Die
Schmerzgrenze ist überschritten.«
Stadelmann betont, seriöse Berechnungen zeigten, dass das Vermögen in
der Bundesrepublik anwachse - »aber gleichzeitig wird uns eingeredet,
dass der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar sei.« Nach seiner
Beobachtung handelt es sich um ein Einnahmen-Problem.
Unternehmensgewinne würden praktisch nicht mehr besteuert - eine Folge
des Standort-Wettbewerbs im Zuge der Globalisierung. Da die Finanzierung
der Sozialsysteme an die Lohnarbeit gekoppelt ist, fehlten Einnahmen.
Stadelmann fordert: »Wir brauchen Versicherungs-Systeme, in die alle
einzahlen, und bei denen alle Einkommensarten berücksichtigt werden.«
Tobias Kaphegyi vom Ortsvorstand Verdi-Medien wirbt für eine
Beteiligung bei der von den Gewerkschaften getragenen Groß-Kundgebung
am Samstag, 3. April, in Stuttgart. Er setzt auf Zusammenarbeit der
Initiativen und warnt wie Stadelmann davor, einzelne Gruppen
gegeneinander auszuspielen: Junge gegen Alte, Akademiker gegen
Handwerker, Studenten gegen Azubis, Beschäftigte gegen Arbeitslose.
Für Michael Riekert vom Arbeitslosentreff TAT ist auch dies ein Ziel
des Aktionstags: Den Leuten zeigen, wo sie Ansprechpartner finden, und
gleichzeitig ein Netz zu knüpfen unter den Initiativen und
Gruppierungen. (-jk) |
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